06.10.2005


 
 
 
12.12.2013
11.12.2013
22.03.2011
06.10.2005
18.07.2005
17.05.2004
10.05.2004
07.05.2004
31.03.2004
 
 
 
 
 
 

feierabend. viel zu spät! ist schon fast neunzehn uhr... aber es lenkt so schön ab. es bedeckt den schmerz unter dem tollen gefühl ein leistungsträger zu sein, wichtiges zu tun, gebraucht zu werden. ich fahre vom parkplatz und biege rechts ab. ich begreife nach ein paar hundert metern, dass mich der eingeschlagene weg nicht wirklich nach hause bringt - eher davon weg. was denn nun? bin wohl doch arg durch den wind. ich fahre weiter und überlege, dass ich wohl unbewusst woandershin wollte - wohin nur? am luisenplatz weiß ich es und muss grinsen: die friedenskirche. ist doch irgendwie ganz klar!

kurz darauf bin ich im park und die geräuschkulisse ändert sich. die luft riecht hier anders und ich fühle mich anders. im vorübergehen streichle ich die grße platane auf dem vorplatz und flüstere ihr ein liebevolles "hallo" zu. ob sie sich freut? auf die winterpause? auf ruhe unter dem mantel der kälte nach einem lebhaften jahr?

jesus steht im zwielicht des abends und ich bemerke einen alten, bärtigen mann, der auf den gegenüberliegenden stufen des kreuzganges sitzt. egal. ich kann nicht anders, gehe direkt auf die wiese bis einen meter vor die statue und schließe die augen. "ich hab dich so vermisst!" denke ich und prompt laufen mir tränen über die wangen. ein strudel überschwenglicher freude und wärme überrollt mich. wie ein liebespaar, dass sich wochen nicht gesehen hat, fallen wir uns in die arme, halten uns fest und freuen uns an dem moment. unter wiedersehensfreuden- und kummertränen lass ich jesus in mein herz schauen, meine geschichte lesen, sage ihm, dass ich mich freue, hier zu sein und dass ich die wunderbare herbstluft riechen kann und dass ich mich frage, wozu ich das alles erleben und lernen muss, wenn ich doch immer noch zu ungeschickt bin, es anzuwenden, sage ihm, dass ich mir wünsche es mal richtig zu machen. er hält mich nur fest. kommentiert nichts, dafür dringt die stimme des mannes an mein ohr...

ich öffne die augen und bin wieder die kleine mallory. hier in diesem universum... ich bin so unruhig innerlich und verabschiede mich ohne weiteres zögern oder nachdenken. der mann und ich sehen uns an, als ich aus dem schatten der statue trete. er grüßt mich mit einem höflichen "guten abend", ich muss lächeln und es erwidern. der sieht so kultig aus. wie gott persönlich.

bei der platane halte ich an, lehne meine stirn an ihren mächtigen stamm und setze mich an ihren fuss, lausche ihren geschichten und als ich nach hause fahre geht es mir besser. danke universum. danke. sogar für alle schweren stunden.

nach oben!