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... - 08.02.2009

neuerdings kommt das Sehen einfach so - zwischendurch - in Bruchstücken und Bildern über mehrere Tage/Wochen hinweg

Ich flüchte vor Kansuuk. Da er immer spürt, was ich als Nächstes vorhabe, wohin ich mich wende, ob ich abtauchen oder aufsteigen will, kann ich ihn gar nicht abschütteln. Meine Ansgt wird größer und größer. Panisch stürze ich mich von einem ins nächste Flugmanöver. Jetzt ist mein Angst so groß, dass er sie spürt. Er verharrt in der Luft, schaut mir nach, wie ich im Sturzflug waghalsig zwischen die Baumwipfel flüchte. Als ich mich kurz umsehe ist er weg. Mein Herz schlägt wie wild. Ich keuche von der wilden Jagd. Zwischen Bäumen und Sträuchern gelandet beobachte ich eine Weile den Himmel über mir. Er ist weg. Leere. Stille. Nichts ist zu hören. Kein Wind, kein Vogel, kein Tier. Nur mein Herz stampft immer noch einen harten Rhythmus.

Vorsichtig bewege ich meine Glieder, meine Flügel, meinen Körper. Bis auf ein paar Kratzer ist alles okay. Die Stille macht mich unruhig. Irgendwas stimmt nicht. Ich lausche nach draußen und in mich hinein: nichts außer Schweigen. Ein Wald der schweigt lebt nicht - obwohl er toll aussieht. Also von oben: sattes Grün, kräftige Pflanzen, dunkler feuchter Boden, hohe Baumwipfel ... aber ... von hier wirkt er ein bisschen farblos, platt. Er riecht auch nicht. Ich schnuppere: nichts. Kein Duft von Nadelholz, Moos oder jungem Grün.

Ich lausche wieder und immer noch ist alles leer. Der Wald und ich selbst auch. Etwas fehlt. Ich suche mit den Augen alles um mich herum und dann auch den Himmel ab und als mir klar wird, wonach ich da oben Ausschau halte, begreife ich: ER fehlt. Kansuuk. Ohne ihn ist das Hier nicht vollständig. Zaghaft konzentriere ich mich: auf ihn. Es ist mehr eine Ahnung als ein Erkennen oder finden. Er bewegt sich fort. Langsam. In Wellen. Räumlich und auch emotional. Kann er überhaupt verstanden haben, warum ich geflüchtet bin? Es wird plötzlich dunkler um mich herum und so wie es dunkler wird, schwindet noch mehr Farbe aus der Umgebung. Das wollte ich nicht. Ich hab wieder Angst - aber diesmal ist es Angst, zu spät zu kommen.

Schnell schwinge ich mich zwischen den Sträuchern und Bäumen nach oben. Äste knacken, einer reißt an meinem rechten Flügel. Mit geschlossenen Augen gleite ich flach über den Wald. Meine ganze Aufmerksamkeit auf mein Inneres gerichtet. Weiter nach rechts vorn, mein Herz wird wärmer - wie ein Wegweiser. Da ist er, fliegt stumm, langsam vorwärts. Als er mich hinter sich bemerkt, dreht er sich abrupt in der Luft, bäumt sich auf und schreit. Er klingt verletzt und verwirrt und ich stoppe flügelschlagend in der Luft, um ihn nicht zu bedrängen. Aber umkehren will ich nicht. Er lässt sich auf einer Wiese, die sich leicht aus dem Wald erhebt nieder und beobachtet mich, wie ich in angemessener Entfernung ein kleines Stück unterhalb von ihm lande.

Ich gehe langsam auf ihn zu. Erst weicht er ein paar Zentimeter zurück, dann bleibt er doch stehen. Den Kopf gesenkt, um ihn sehen zu lassen, dass ich nicht angreifen will, gehe ich noch ein Stück weiter und bleibe dann in etwa 2-3m Entfernung vor ihm stehen. Er schnauft und ich spüre seine Unsicherheit, beantworte Sie mit der Wärme in meinem Herzen, die mich jetzt hier zu ihm geführt hat. Er spürt es. Seine Muskeln entspannen sich und ich mich auch. In mir ist durch und durch meine Wärme, durchsetzt mit einem neuen Gefühl: sein beginnendes Zutrauen. Alle anderen Gedanken sind weit weg. Nicht ganz verstummt, aber gerade extrem unwichtig: Angst und Zweifel, ob es nicht zu nah ist, jemanden zu haben, der wie EINS mit Dir ist.

Ein leichter Wind kommt auf und erfrischt mein Gesicht, er kommt zwei Schritte auf mich zu. Ich wittere ihn und mein Herz tanzt, während ich meinerseits zwei Schritte auf ihn zumache. Er riecht so unwiderstehlich und mir wird unterbewusst klar, dass Geräusche, Wind und Gerüche gerade zurückkommen. Ich hab die ganze Palette meiner Sinneseindrücke zurück und es rauscht und riecht und zwitschert und knackst und pfeift nur so um mich herum. Wenn ich die Augen schließe kreist ein ganzes Natur-Orchester um mich herum und ich könnte heulen vor Freude. Ein Gefühl, wie nach langer Zeit endlich komplett zu sein. In mir selbst, mit ihm.

In dem Moment schaltet sich wieder mein Kopf ein und nörgelt, dass ich das ja wohl kaum wissen könne, es für Rückschlüsse viel zu früh sei, ich ja noch gar nicht alles wisse und nur so einer Vision zu glauben/zu vertrauen ein ziemlich riskantes Unterfangen sei... Ich lass die Stimme nörgeln und widme mich lieber einem anderen Gedanken:

Wie es wohl sein wird, mit einem Drachen zusammen zu sein? Dass er alles von mir aushält ist ja das eine, aber ob ich auch alles von ihm aushalten kann? Er hat ja auch Krallen und Feuer und ist wild und sanft, laut und leise, zurückgezogen oder geradeheraus. Ob ich mich immer auf Intuition und Gefühl zu verlassen getraue? Auf eine andere Weise kann es wohl kaum gehen, wenn ich mir das da oben so durchlese... Ich sehe eine kurze Sequenz von zwei "spielenden" Drachen in den Wäldern. Mit zwei Mal einem kompletten Sinnen-Satz ausgestattet ist die Welt bunter, lauter, heller ... kompletter ...

Eine Nacht später träumen wir Hand in Hand beide den selben Traum ... das bringt die Stimme vorerst zum schweigen. Sie nörgelt aber noch immer im Hintergrund. Wie hilfreich!

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