Luc der Wolf


 
30.04.2011
20.02.2011
23.01.2011
30.08.2010
07.06.2010
25.05.2010
15.05.2010
01.05.2010
13.02.2010
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04.01.2010
05.05.2009
01.05.2009


30.04.2011 bis 18.05.2011

Ich habe gestern fleißig geschnitzt an meinem Medizinstab und zwar arbeite ich gerade an den Wolfs-pfoten/-spuren. Die eine ist ein bisschen größer als die andere. Als ich die erste (größere) so gut wie fertig hatte, hab ich meine Hand darauf gelegt und es fühlte sich warm und gut an. Einmal, als ich wieder schaue, ob die erste wohl gut gelungen ist und alles stimmt von den Proportionen und so, bemerke ich Luc an meinem Oberschenkel und schnell lasse ich alles liegen, beuge mich zu ihm runter, um diesen vielleicht kurzen Moment nicht zu verpassen. Aber er bleibt und wir können uns balgen und begrüßen und in Kontakt sein. FREUDE FREUDE FREUDE Wir schlabbern uns gegenseitig die Gesichter ab und meine Wahrnehmung kippt zwischen Mensch und Wolf und auch er ist mal Mensch mal Wolf, wie ich es letztes Jahr schon erlebt habe. Alles ist in Fluss zwischen uns...

So gut wie ich den Wolf IN mir wahrnehmen kann, ist es doch ein rundum wohliges Gefühl, ihn auch NEBEN mir zu spüren. Mich direkt auszutauschen und nicht "nur" das Wolfswissen in mir zu spüren. Ich bin so dankbar!

Ich laufe durch das grüne Obstland. Inzwischen ist schon alles abgeblüht. Aber das Grün ist noch frisch. Die Sonne scheint sehr heiß - so wie alle jahreszeitlichen Geschehnisse dieses Jahr besonders schnell oder früh zu sein scheinen. (Rauhnächte September 2011) Aber durch einen kräftigen Ostwind fällt mir das Laufen erstaunlich leicht. Am Ende bin ich 13,5 km unterwegs...

Meine Gedanken wandern währenddessen zum Medizinstab und den Wolfspfoten und meine Freude von gestern kommt wieder auf, weil Luc bei mir war und plötzlich wird es warm an meinem rechten Oberschenkel. Ich spüre wieder die Präsenz des Wolfs. Doch es ist gar nicht Luc, der sich da an mich schmiegt - Luc macht sich nämlich zwei Schritte später an meiner linken Seite bemerkbar. Ich spüre genauer hin: es ist Tessa! Jetzt verstehe ich auch, warum die zweite Wolfspfote einen My kleiner ist als die erste! Es sind Wolf und Wölfin. Das Männliche und weibliche Prinzip...

Beide bleiben für ein oder zwei Kilometer bei mir, bis ich den Kontakt verliere. Es sind plötzlich zu viele Menschen im Obstland (Baumblütenfest!) und drei Panorama-Busse auf dem schmalen weg, die mich fast umkarren, außerdem fragen mich ein paar Radfahrer nach dem richtigen Weg...

Aber die Freude bleibt und auch die Präsenz der beiden Tiere. Später am Tag spüre ich sie nochmal bei mir. Ich grinse beim Schreiben schon wieder =)

02.05.2011 - ich wache zu früh auf. Mit Schreck und Herzklopfen und ich glühe trotz offenem Fenster. Dabei sind über Nacht nur noch 4 Grad. Bruder Sonne ist bereits vor Sonnenaufgang strahlend zu erahnen... Als ich mich beruhigt und abgekühlt habe kann ich nicht mehr einschlafen und beim rumdrehen im Bett fallen mir die beiden Steine in die Hände. Offensichtlich habe ich sie gestern Abend mit ins Bett genommen =).
Lächelnd spüre ich mich zu den Wölfen. Tessa steht in diesem Moment auf und trabt los. Ich schaue ihr nach. Um sie herum ist es dunkel. Wohin geht sie? Sie? Die Anhängliche geht weg? Luc springt auch auf die Beine und schickt sich an, ihr zu folgen. Meine Hand in seinem Nackenfell gehe ich mit. Es ist kühl und die Dunkelheit ist wie in einem dichten Wald bei Nacht und tatsächlich unter meinen Füßen knackt und raschelt es. Damit ich so leise wie Luc sein kann, fühle ich mich in die Gestalt des Wolfes und während dieser Verwandlung wird mir klar, dass ich immer EIN WOLF war - nie EINE WÖLFIN. Danke, dass DU jetzt da bist Tessa und ich diesen Teil auch lernen darf! Als Luc mir im Januar weiblich erschien, war das für mich vielleicht nicht deutlich genug als Lernimpuls?
Um mich herum sind hohe Kiefern, es gibt viel totes Holz am Boden und Laub aus dem letzten Jar - scheinbar von Eichen, denn es ist hart und raschelt noch nach dem Winter... Da stehen auch tatsächlich Eichen. Die Äste hängen bis tief auf den Boden und geben Sichtschutz. Luc eilt mir jetzt ein paar Schritte voraus zwischen die schlanken Kiefernstämme und jetzt sehe ich Tessa auf dem weichen Waldbodenbett aus Laub und Kiefernnadeln liegen. Um sie herum balgen sich drei kleine Wölfe. Sie sind erst ein paar Wochen alt.

Da ich mich nicht wieder mit menschlicher Muttermilch falsch einmischen möchte, halte ich mich zurück und beobachte nur erst einmal alles was geschieht. Mir scheint, es sind nicht Tessas eigene Babys. Si eist e her wie eine Amme, Betreuerin. das würde Sinn machen, denn ein Wolfsrudel versorgt den Nachwuchs gemeinsam. Jeder hat seine Aufgabe. So scheue ich mich nicht, als einer der kleinen Rangen angetappt kommt und spiele mit ihm und einem Stöckchen, an dem er sich fest beißt und versucht, es mir aus der Hand zu ziehen. Der kleine Kerl hat lustige spitze Zähne und gefühlt zu viele Beine und Pfoten, über die er immer wieder stolpert. Währenddessen sucht einer der anderen an Tessas weichem Bauchfell nach Milch. Luc steht ein kleines Stück links von mir und beobachtet den Wald und die Umgebung... WECKERKLINGELN

18.05.2011 - beim Laufen komme ich in Kontakt mit "meinen" Wölfen. Ich bin bei Ihnen auf der kleinen Waldlichtung und auch die Schlange und die kleine Spinne sind da. Die Schlage hat rote Wangen umgeben von einem weißen Streifen. Ist das eigentlich eine Klapperschlange oder etwas anderes? Das sollte ich mal recherchieren, wenn ich morgen ans wiki rankomme! Die Spinne hängt ruhig im äußeren Ring ihres Netzes. Sie sieht aus wie die große Praxisspinne in Miniatur.

Ich bin nicht als Mensch dort, sondern als Wolf. Mit ein bisschen Konzentration kann ich WÖLFIN sein. Interessant, dass das ein bewusster Akt ist, Weiblichkeit auszudrücken. Sollte es mir nicht in die Wiege gelegt sein? Egal jetzt. Ich spiele mit den Kleinen und Tessa schaut uns zu. Die Welpen geben sich Mühe, zerren an meinem Fell, fangen meine Pfoten... Ich tatze sie vorsichtig und animiere sie immer wieder aufs Neue. Später gehe ich zu Tessa herüber und lecke ihr die Schnauze.

Luc schnappt nach meiner Flanke und als ich mich zu ihm umdrehe jagt er davon. ich hinterher. Wir rennen um die Wette, mal liegt der eine vorn, mal der andere, dann balgen wir uns kurz und rappeln uns wieder auf. Heute bleiben wir beide Wolf. Wir spielen bis wir erschöpft sind und kehren dann Schulter an Schulter auf die Lichtung zurück.

Nochmal lecke ich Tessas Schnauze, dann darf ich mich neben sie legen. In Gedanken sage ich ihr, dass es schön ist eine Wölfin zu sein und dass ich sie bewundere...

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20.02.2011 bis 20.03.2011

Nun kam doch alles ganz anders und ich bin erst ganz am Ende ein bisschen schlau draus geworden...

Der kleine Wolf, den ich an meiner Brust hatte trinken lassen wurde anders als die anderen. Er war mehr zu mir hingezogen, mehr menschliche Eigenschaften, weniger wölfisch. Wie soll man das beschreiben? Er setzte sich neben mich und beobachtete die anderen beim spielen, so wie ich es tat. Er mischte selten direkt mit wenn sie balgten und Fange spielten oder an Holzstücken zerrten bis einer gewann. Er war etwas größer geworden, hatte auffallend helleres, kürzeres, glatteres Fell als seine Geschwister.

Innerhalb sehr kurzer Zeit war er schon ein jugendlicher Rüpel. Nicht mehr täppisch welpenhaft. Nicht mehr verspielt. Wilder und draufgängerischer wie eben so pubertierende Wölfe offensichtlich ähnlich unseren Jugendlichen sind. Luc nahm sich immer mehr zurück und Rebor - so ist sein Name - forderte immer mehr Aufmerksamkeit bei mir ein.

Eines Tages forderte uns Luc auf, das Rudel zu verlassen. Unseren eigenen Weg zu gehen. Herauszufinden, wo wir hingehören. Es wäre an der Zeit. Natürlich geschah das nicht mit Worten. Es waren Gesten, Gebärden und mein eigenes inneres Gefühl, sowie das tiefe Verstehen, dass es Zeit ist, loszugehen. Trotzdem fiel es mir schwer. Und Luc fehlt mir noch immer. Nicht jeden Tag und nicht jeden Moment. Es ist gut, wo ich heute bin und wie ich heute bin. Alles ist gut. Trotzdem gibt es Traurigkeit dafür, dass alles nur noch Erinnerung ist und nicht mehr Erleben
Er-INNER-ung ist ja nur noch innen in mir. Zum Bewahren. Er-LEBEN ist draußen um uns herum und geschieht gerade jetzt. Und weil wir gerade dabei sind: ErAHNEN ist das was man spürt, das kommen wird... Es kommt Gutes für mich, aber es war auch so viel Gutes mit Luc für mich und in jedem aktuellen Moment geschieht es auch.

Unterwegs mit Rebor kam ich durch kleine Städte und verschiedene Landstriche. Wenig Natur. Er mochte es irgendwie sehr "zivilisiert" und es dauerte nicht lange da war klar, dass sich unsere Wege auch trennen müssen, denn ich brauche es grün, weit, bewachsen, natürlich, ursprünglich um mich herum. Ich will einen Bach und keinen Brunnen. Ich will Waldboden und keinen Asphalt. Mein Abschied von Rebor war weniger schwer. Wir trennten uns mit einer kurzen Rauferei und einem Schnauze-Lecken.

Dann war ich allein. Da war vordergründig kein Schmerz oder Verlustgefühl. Nur eines machte mir zu schaffen. Wie würde ich jetzt rausfinden, was gut für mich ist? Ich hatte mich darauf verlassen können, dass ich Luc erspüren und an ihm erkennen kann, ob eine Situation gut oder schlecht, gefährlich oder uninteressant ist. Ich brauchte ihn nur anzusehen und wusste es. Und jetzt?

Ich versuchte zu abstrahieren: wenn Luc ein Teil von mir ist und ich ein Teil von ihm. Wenn ich ein Wolf sein kann oder ein Mensch je nach Situation, weil ich es IN MIR trage ... das muss doch auch gehen, wenn ich keinen wölfischen Begleiter bei mir habe oder?

Ich versuchte es und es gelang. Ich konnte im gestreckten Lauf übers Feld jagen, Wind, Geräusche, anwesende Tiere erspüren. Was für ein beruhigendes Wissen! Also ist es IN MIR und ich bin zwar traurig, dass Luc woanders ist, aber Zugang zu dem was ich mit ihm und durch ihn gelernt habe, habe ich ja immer noch HURRA! Jetzt mache ich es so: wenn ich nicht weiß was wie wo wohin, dann schaue ich in mein Herz - vor meiner Brust sehe ich dann den Kopf eines Wolfes und aus seiner Mimik erfahre ich alles, was ich wissen muss. Es ist ein bisschen Übungssache, aber im Großen und Ganzen gelingt es :-)

20.03.2011

Heute morgen war ich laufen. Sonntags um acht ist kaum etwas los - alles ruht noch. Ein dünner Nebelschleier liegt noch auf den Feldern, dämmt die Laute der Umgebung und die Luft ist sehr schön kühl obwohl die Sonne schon durch die Wolken schaut. Es sind in den letzten Tagen wieder viele Tiere um mich herum. Ohne Scheu lassen sie mich ziemlich nah an sich heran, bevor sie dann doch der Meinung sind, dass ich nur ein Mensch bin und sie vielleicht doch -so wie üblich- das Weite suchen sollten. Ich halte beim Laufen Ausschau ob ich sie sehe. Da sitzt ein Amselbulle auf einem Zaunpfahl und lässt mich passieren - nicht mal anderthalb Meter von seiner Schnabelspitze entfernt jogge ich vorbei. Er schaut mich nur an. Wirkt entspannt. Ich genieße das Laufen, lächle, weil ich hier zu Hause bin und die Tiere mich bei sich sein lassen. Es tut mir gut. Die frische Luft in rauhen Mengen in meinen Lungenflügeln. Herrlich.

Da ich ja jetzt keinen Grund mehr habe, regelmäßig die Verbindung ins Drachenland herzustellen, weil ich schon alleine groß bin und ohne Luc zurecht komme - bin ich zu Tode erschrocken als ich knallbummpeng direkt dorthin gesogen werde und vor mir ein Mann aus dem Baum springt. Er landet knapp vor meinen Füßen und ich bleibe wie angewurzelt stehen, den Oberkörper etwas nach hinten geneigt. Er kniet halb, halb hockt er und schaut mir unverwandt in die Augen. Der Schreck muss mir anzusehen sein und noch immer bin ich leicht nach hinten geneigt, um in der Situation ein bisschen Abstand zu wahren und nicht den Überblick zu verlieren.

Ich hab ja ein bisschen was gelernt die letzten Jahre und daher kommt mir in den Sinn, dass wenn ich das verstehen will ich herausfinden muss, was es mir sagt (Welch idiotischer Satz! Genauso sinnvoll wie "wenn Du Musik hören willst solltest Du Ohren offen halten"). Naja gemeint ist natürlich, dass ich mich auf die fremde Sprache, mein Gegenüber, die Situation einspüren muss, um es zu begreifen. Das versuche ich ...

Der Mann - sein Gesicht oder die Gestalt kann ich nicht ganz klar aus allen anderen Eindrücken herausschälen. Er ist wie schemenhaft obwohl er direkt vor mir hockt. Was ich aber sehr genau spüre ist, dass sein Schauen Neugier bedeutet. Ich bin für ihn so wie von einem anderen Stern. Sein Instinkt hat keine klare Anweisung für diese Situation - doch egal ob gefährlich oder ungefährlich - auf jeden Fall wahnsinnig spannend. Er für mich aber auch. Was hat er da in den Bäumen gemacht? Wo kommt er her. Wohnt er hier? Warum habe ich ihn nicht früher bemerkt oder bin ich nur zufällig unter SEINEM Baum gewesen und er sprang deshalb? Wir sehen uns schweigend an, aber in unserem Innern brodelt es sicher gleichermaßen. Ich komme mir vor wie eine Jane im Urwald, wenn ihr ein Tarzan vor die Füße fällt und sie nicht sicher ist: Tier oder Mensch? Gefahr oder Entwarnung?

Um auf Augenhöhe mit ihm zu kommen - das erleichtert ja die Kommunikation - nehme ich die gleiche Haltung wie er ein. Ein Knie senke ich bis fast auf den Boden, den andern Fuß lasse ich aufgestellt. Sofort prasseln eine Unmenge Worte(?) auf mich ein, aber ich verstehe nur Bahnhokofferklauen und vor Schreck stelle ich mich wieder aufrecht hin. Er steht auch auf - aber an der Stelle bricht mein Sehen ab und ich bin wieder HIER im JETZT

Seltsam das alles... *grübel* ... aber ich hatte das Gefühl, dass er zum Reden nicht den Mund bewegt hat - es war eher von Kopf zu Kopf ...

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23.01.2011

Ich war so sehr mit Anderem beschäftigt, dass ich Luc kaum mal gesehen, geschweigedenn gespürt hätte. Als mir das bewusst wird bekomme ich Angst und ziehe in meinem Außen die Notbremse... prompt sehe ich heute in den frühen Morgenstunden gaaaaanz viel. Hurra!

ZOoom - ich sitze auf der Erde zwischen dem gerodeten Obstland und dem Kiefernwald. Luc sitzt mir schräg gegenüber und ich spüre, wie heftig mein Atmen geht. Ich bin angestrengt und noch bevor ich drüber nachdenken kann zieht sich mein Körper kraftvoll zusammen. Ich gebäre ... aber zum Kuckuck ... ? Nachdenken ist jetzt wirklich nicht der Hit. Ich kann nur mitmachen und beobachten, wie vor mir im Sand des Waldweges ein blutiges Bündel zu liegen kommt. Es wirkt wie "zu viele Beine" ...

Kein Babyschreien, keinerlei Wärme, null Muttergefühle. Nicht mal der Wunsch etwas zu umsorgen oder zu beschützen. Mein Körper zieht sich noch einmal heftigst zusammen. Die Nachgeburt. (...die nehmen es aber wirklich genau mit ihren Bildern!) Es ist so, dass ich eine gewisse abneigende Skepsis und Distanz zu dem blutigen Bündel habe. Auch Luc äugt schief. Er beißt in eins der staksig abstehenden Beine. Nichts rührt sich. Ist es tod? Was ist es überhaupt? Kein Menschenbaby und kein Wolf sehen so aus. (Warum in drei Gottes Namen muss ich denn nun "so was" gebären?)

Ich möchte hier weg. Aber kann ich "das" hier im Sand liegen lassen? Na das wäre irgendwie auch nicht in Ordnung. Ich forsche in meinen Gefühlen und horche auf Eingebungen und dann schaufele ich mit bloßen Händen ein Loch. Möglichst ohne direkte Berührung schiebe ich -wasauchimmer- hinein und bedecke es mit der dunklen frischen Muttererde. MUTTER-Erde? Wie passend! Ich habe nichts mütterliches an mir, wie ich gerade versuche, dieses Teil meines Innern schnellstens loszuwerden ...

Ich will mich Luc zuwenden, da sehe ich, wie sich eine Pflanze mit herzähnlich geformten Blättern aus der frisch aufgeschütteten Erde windet. Sie ähneln den Blättern von Flieder. Hellgrün sind sie. Stecken voller Saft und Leben. Ich bekomme dennoch irgendwie Angst, dass sich das windende Pflänzchen an mich klammern und mich einschnüren oder fesseln könnte. Aber es macht keine solche Anstalten. Im Gegenteil. Es wächst geradewegs in die Höhe. Man kann fast zusehen, wie es sich der Sonne entgegenstreckt.

Ah ja ... Ich denke nach, was mir das alles sagen soll ... Eine Geburt ist immer der Beginn von etwas Neuem. Eine frische Idee, ein anderer (Lebens)Abschnitt, ein neues Leben überhaupt ... Ich war nur der Wirt für diese Pflanze? Ich betrachte sie sinnierend und inzwischen kommt sie mir sehr "besonders" vor in ihrem Drang zu leben. Obwohl ich sie nicht mütterlich liebe strebt sie ihrer Bestimmung zu. Es stört sie nicht. Sie will nur Sonne und Wasser und Wärme ... zurück zum letzen Gedanken: wenn ich der Wirt war - wie ist das in mir "befruchtet" worden und gediehen? Hat Al was damit zu tun?

Luc sitzt links an meiner Seite und will los. Ich soll ihre Jungen anschauen kommen.

Ihre Jungen? Jetzt bin ich irgendwie ganz raus! Luc ist doch ein Rüde! Aber es stimmt, dass ich in der letzten kurzen Bildsequenz vor ein oder zwei Wochen kleinen Wölfe mit Luc gesehen habe - aber weil ich so weit weg war innerlich habe ich das nicht hinterfragt oder begriffen... Sehen möchte ich die kleinen natürlich auch - aber die Frage mit der Pflanze, die inzwischen ein richtiger Baum ist, ist noch offen für mich.

Sie reckt sich dem Himmel entgegen und ich kann aus der Sternen-Perspektive sehen, wie sie sich bis ins Universum hin öffnet. Sie besitzt in sich die Gravitation für ihre universelle Energie und ihre zur Verfügung stehende Raum-Zeit. So wie ich auch. ich sehe mich und Luc neben dem Baum mit ebensolchen Trichteröffnungen zum Universum hin. So wie unsere ReKi-Kanäle direkt ans Universum angeschlossen sind ... Verstehe! Der Baum hat seine Bedeutung Berechtigung NEBEN mir. Auch wenn ich ihn NICHT mütterlich liebe, so habe ich ihn doch in meinem Inneren Asyl gegeben, um geboren zu werden. Jetzt ist er unter seinesgleichen sogar etwas besonderes. Ein geborener statt gekeimter Baum ... Er und ich und Luc sind auf der Erde einzelne Individuen, obwohl wir im Universum vereint sind - alle unsere Trichteröffnungen sind hier eine Einzige.

ZOoom zurück auf die Erde. Der Baum ist schon vier Meter groß. Er ist stark und gerade und sein Stamm hat inzwischen mindestens 10 cm Durchmesser. Ich klopfe liebevoll gegen seine glatte warme Rinde und folge Luc zu den Welpen.

Es sind vier. Sie stolpern wild durcheinander als wir auftauchen und schnell sind drei der Winzlinge an Lucs Gesäuge. Der vierte ist irgendwie kleiner und rafft es nicht. Ich habe mich neben Luc gelegt und nehme ihn auf den Arm und er beginnt an meiner Brust zu trinken. Er ist gierig und ich kann zusehen, wie er Kraft schöpft. Jetzt wirkt er größer als seine Geschwister und ich frage mich, ob es gut ist, wenn ich auf diese Weise in die Entwicklung eingreife. Also hebe ich ihn von mir und legen ihn an Lucs Zitzen.

Luc muss doch Hunger haben! Ich stehe auf und halte Ausschau, nehme Witterung auf und renne los. Ich BIN wieder Wolf und mit lang gestrecktem Lauf durchquere ich das hohe Gras, finde das Reh und mit einem einzigen Sprung und Biss in den Hals breche ich ihm das Genick. Es macht mir kein schlechtes Gewissen. Ich bedanke mich nur bei ihm dafür, dass ich seine Energie(-Gravitation) im hier und jetzt für das Überleben der kleinen Wolfsfamilie nutzen darf

Ich bringe das Fleisch zu Luc und den vier Winzlingen. Wie um die kleine Familie zu schützen und auch um das Bild zu genießen lege ich mich später an Lucs Rücken. Die Kleinen trinken schon wieder und der, der jetzt größer ist will wieder zu mir trinken kommen. Ich schiebe ihn sanft aber bestimmt von mir weg. So sehr es mich reizt, ihn selbst zu nähren... Während ich Luc zuschaue fällt mir wieder ein, dass es komisch ist, dass SIE eine SIE ist...

Andererseits fühle ich mich selber gerade eher maskulin. Ich habe genug Aggression/Motivation ein Reh zu reißen. Ich spiele Ernährer der Familie und Beschützer... Seltsam. Vielleicht ist es nicht wichtig? Vielleicht ist eh alles eins? So wie wir aus der selben universellen Quelle unsere Energie schöpfen? Ich war sowieso immer gegen die ganzen Mann-Frau-Klischees. Das kann immer nur ungerecht sein. Wichtiger ist doch, dass wir jeder ein guter Mensch mit den richtigen Wertmaßstäben sind, oder?

Es raschelt neben mir. Ich springe auf und bin sofort (maskulin) kampfbereit. Aus dem dichten Gras taucht ein Wolf auf. Dann noch ein und noch einer. Sieben sind es (wie viele sonst? SIEBEN ist meine Zahl ... sogar die Quersumme der Koordinaten an denen der Baum wächst ist sieben - habe es bei googlemaps gecheckt!) und scheinbar ist es an der Zeit, dass sie den Nachwuchs kennen lernen, denn Luc macht keine Anstalten zu knurren oder so.

Was mich beschäftigt ist, dass ich es noch nie zuvor mit so vielen Individuen zu tun hatte auf meinen Reisen ins Innere. Und dass ich sie kaum unterscheiden kann. Sie wirken alle wie EIN Tier an verschiedenen Stellen gleichzeitig. Ist das so, weil sie EIN Rudel sind und wie EIN Geist gemeinsam denken und handeln? Ich will es rausfinden :-) Aber erst mal zuschauen, wie die Kleinen größer werden und was mir das Männlein-Weiblein-Tausch-Ding mit Luc beibringen wird

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30.08.2010

Luc war die ganze Zeit präsent, aber es gab im Urlaub und kurz darauf keine expliziten Erlebnisse/Geschichten. Nur das Spüren "er ist bei mir". Weich und warm. Meist an meinem linken Oberschenkel. Ein gutes Gefühl.

Im Vorbeilaufen nehme ich rechts von mir etwas wahr, aber irgendwie dringt es gar nicht bis ins Bewusstsein. Als ich es einige Tage später wieder und am Tag danach noch einmal bemerke ist es immer noch so vage, dass ich es nicht benennen könnte. In der Werbung nennt man es "gestützte Erinnerung" wenn jemand sich nur mit Hilfe einer gezielten Frage an etwas erinnert.

Sprich: wenn mich jemand aufforderte, von meinen Tagen mit Luc zu berichten, dann würde ich die Wahrnehmung im rechten Augenwinkel nicht erwähnen. Sie fiele mir nicht ein. Aber wenn mich jemand gefragt hätte: "War da was rechts im Gebüsch?" Dann hätte ich große Augen gemacht und gesagt: "Ja! Stimmt! Da war was. Wie eine sehr große Gestalt. Sie schaut mir zu, wie ich vorbeigehe mit Luc an meiner Seite"

Interessant! Diese Gestalt nimmt nicht nur mich sondern auch Luc wahr. Und in diesem Moment des Bewusstwerdens bemerke ich den Falken über unseren Köpfen. Ich jogge währenddessen gerade über die Felder. Luc ist links neben mir. Ich bemerke (nach wie vielen Tagen eigentlich?) endlich bewusst, dieses Etwas da neben mir. Spüre hinein und "Oh das ist wirklich groß!" ein Elefant. Warum? Wieso? Zu wem gehört er? Was macht er hier? Luc knurrt, legt die Ohren ganz flach an und duckt sich. Aber ich bin ganz neugierig und liebevoll für den Elefanten. Er ist riesig und hat riesige Ohren, einen dreieckigen Schädel und hebt sich farblich kaum vom Hintergrund der Sträucher ab. Er strahlt Wärme und Ruhe aus. Ich strecke die Hand nach ihm aus und sage zu Luc: "Hey, ich glaube, er gehört zu uns!" Lucs knurren wird prompt bedrohlicher. So dass ich mich zu ihm umdrehe. Irgendwie ist er damit nicht einverstanden und die Rangfolge in unserem Rudel stimmt nicht mehr wenn jemand hinzukommt - so empfinde ich seine Aggression...

Er schnappt wütend nach mir und ich werde zum Wolf. Jagend, beißend, balgend geht es quer über's Feld. Ich nehme zwei Wölfe wahr, aber ich kann gar nicht mehr sagen, wer wer ist. Einer der Wölfe kommt zurückgetrottet und legt sich friedlich neben dem Elefanten auf die Erde. Kopf auf den Pfoten. Ganz entspannt. Das muss wohl ich sein, aber ... äh? ...wieso beobachte ich das eigentlich aus der Perspektive eines Außenstehenden?! ... Es ist Luc, denn ich komme Sekunden später als ich selbst zu den beiden über die Wiese geschlendert und kann jetzt endlich vorsichtig, fragend, langsam den Elefanten berühren.

Warme grobe Haut mit einzelnen Haaren. Absolute innere Ruhe. Größe, Stärke... Er schaukelt seinen riesigen Kopf. Zum Zeichen, dass er mich bemerkt hat und alles so in Ordnung ist? Was sind wir füreinander? Welche Aspekte sind wichtig? Wer lernt was von wem? Ich durchforste meinen Geist nach Wissen über Elefanten. Sie haben ein legendäres Gedächtnis, besonders für Verletzungen. Sind friedfertig und nur in seltensten Fällen rasend vor Wut. Verteidigen und beschützen ihre Jungen durch die gesamte Herde. Verwaiste Kinder werden von anderen Kühen adoptiert. Alle haben einen engen Zusammenhalt in der Herde. Wenn ein Tier stirbt bleibt manchmal ein anderes an seiner Seite bis es selber stirbt. Angst nur vor "kleinen unsichtbaren" Dingen, gegen die sie sich nicht wehren können, wie sie es gewohnt sind. Feinde rennen sie gemeinhin einfach über den Haufen. Mit einem Gewehrschuss oder einer Maus geht das nicht. Hilflosigkeit macht sie panisch...

Und ich? Was kann ich einem solchen Wesen bieten? Was macht mich (und Luc?) aus, was für einen Elefanten gut ist? Ich kann ihn vor Gewehrkugeln und Mäusen schützen. Auf einen Menschen schießt ein Großwildjäger (hoffentlich) nicht. Scheinbar kann ich Luc den Wolf zum Freund7Herdenmitglied des Elefanten werden lassen (wusste ich vorher nicht). Liebe kann ich geben und staunend lernen... Das ist jetzt nicht so viel. Aber immerhin.

Ich darf auf seinen Rücken. Eigentlich ist mir das zu "herrisch". Ich empfinde ihn doch als Bereicherung und möchte ihm lieber auf Augenhöhe begegnen. Als ich da oben sitze begreife ich, dass es eine Frage meiner eigenen inneren Einstellung und nicht etwa der Position auf dem Elefanten ist. Wer oder was sollte mich hindern, auf seinem Rücken in zweieinhalb Metern Höhe angemessenen Respekt vor ihm zu haben?

Luc trottet neben uns her. Mal ein Stück voraus, dann wieder neben uns. Ich staune, wie leicht es ist, langsam zu sein und dass es mich gar nicht stresst, heute mal nicht in nullkommanichts von einem Ort zum nächsten zu rennen.

Im wahren Leben bleibe ich mitten auf dem Feldweg stehen und stoppe meine Lauf-Uhr.

Ein warmer Sonnenschein. Er setzt das Feld, die verschiedenen Wäldchen, Baumgruppen, das Obstland und den Horizont in warmes goldenes Licht.
Umwerfend.
Ich bin noch außer Atmen und mein Herzschlag pulsiert, rauscht in meinen Ohren. Als er sich legt dringen immer mehr die Geräusche der Umgebung an mein Ohr. Die Wälder raunen sich etwas zu. Reden miteinander. Erst rauscht der eine, dann der andere Wald. Blätterrascheln? Einen Wind, der von einem zum anderen streicht kann ich gar nicht ausmachen... Wow! Spannend!
Es sind eher tiefere Geräusche. Wovon sie erzählen? Im Leben eines Waldes ist ein Jahr wie ein Tag...

..."letzten Abend(Winter) war es sehr kalt, es lag lange und viel Schnee. Ein Reh ist gestürzt und erfroren"...
..."sein Sterben hat die Füchsin überleben lassen, die diesen Morgen(Frühjahr) drei gesunde Junge zur Welt gebracht hat"...
..."die Jungbäume vom Vortag(letztes Jahr) machen sich prächtig bei diesem Wetter"...
..."wenn die Eichhörnchen sich jetzt schon vom kühlen Wind inspirieren lassen, Eicheln und Kienäpfel zu sammeln werden sie am nächsten Abend(Winter) keine Not haben"...

Der Morgen ist wie der Frühling. Alles erwacht, sammelt Kräfte. Der Mittag ist heiß wie der Sommer. Treibt alles zur Blüte, während im Herbst wie am Nachmittag alles kühler wird und wir schnell alles ins Haus holen wie die Ernte. Und der Winter wie eine kalte Nacht, wenn alles Leben ruht, sich erholt, Kräfte sammelt für den nächsten Reigen?

Sind die vier Jahreszeiten aber nicht auch wie eine Entsprechung der vier Himmelsrichtungen? Der kalte Norden - wie der Winter. Im heißen Süden ist der Sommer. Steht der milde Osten für das Frühjahr und der kühlere Westen wie ein Herbst?

Und dann sind sie auch noch wie die vier irdischen Elemente. Luft(Winter), Wasser(Frühling), Erde(Herbst), Feuer(Sommer).

Luc, der Falke, der Elefant und ich - wir sind auch vier. Wir passen zu den Elementen. Luc ist wie das ungebändigte Feuer. Der Falke schwer zu fassen wie die Luft, Der starke Elefant wie die Erde. Wasser wie die sich ständig wandelnden anpassenden Emotionen in mir...

Jede solche Gruppe ergibt einen kleinen Zyklus und jeder Teil ist auf diese Weise ein Rad im Gefüge der Welt.

Dann sind wir alle Teil des einen großen Zylkus. Wir sind der Zyklus!

Und der Zylkus ist in mir. Alle vier Wochen schingt mein Hormonspiegel. Die vier Tageszeiten lösen in mir verschiedene Vorgänge und damit Verhaltensweisen aus.

Größer betrachtet sind Geburt und Kindheit wie das Frühjahr. Sind Jugend und erstes Berufsjahre der Sommer. Dann kommt die Reife im Lebensherbst und das Greisenalter, um auszuruhen und in den unendlichen Schlaf überzugehen...

Also bin ich ein aktiver Teil dieser Welt, denn die Welt ist ein aktiver Teil von mir.

Das ist so groß und tut so irre gut, dass man weinen möchte

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07.06.2010

Ich esse immer öfter mal (Geflügel)Fleisch im Hier und Jetzt. Jetzt schon das dritte oder viert Mal. Mit Appetit. Mein Interesse daran ist nicht dauerhaft, aber taucht immer wieder auf und will dann auch befriedigt werden. Besonders, wenn ich mich ausgepowert habe mit Jogging oder Rad fahren. Spannend!

Heute war ich ziemlich fertig und musste ganz dringend in den Wald. Weg weg weg von allem anderen. Schnell! Jetzt! ... Also bin ich los. Leichte Bluse, Cargo-Jeans, Taschenmesser und zwei Tempos falls es traurig wird... Ich war noch gar nicht richtig im Wald, als ich merkte, dass ich meine Melodie summe. Meine Lebens-Musik oder ...hmpf... ich weiß kein besseres Wort. Die Tonfolge, die in meinem Innern verankert zu sein scheint.

Summend laufe ich einen bekannten Weg entlang. Ich bin jetzt schon einiges leichter ums Herz - allein vom Summen und der frischen Luft. Aber mein Blick ist heute irgendwie verändert. Ist mir tagsüber schon ein paar Mal aufgefallen, dass ich Lichtreflexe oder Energien sehe, so in der Art. Seltsam, weil optisch und nicht geistig wahrgenommen. Jetzt auch wieder. Da hier. Da ist ein Weg rechts ab - den hab ich noch nie bemerkt. Schmal ist er. Im Grunde nur ein Wildwechsel... Es geht bergauf und ich steige mit einer Leichtigkeit hinauf, die überraschend ist angesichts der Steigung - selbst für jemand, der im Training steht. Ich lausche, rieche, sehe. Eben waren da noch Autobahn und Wind und Vögel - jetzt ist da nur noch das Knacken von ein wenig trockenem Holz. Zielgerichtet - nicht das Knacken, welches der Wind in den Ästen verursacht. Konzetriert lausche ich und schon bin ich unterwegs. Das will ich sehen, was das war! Harald hat mir erzählt, dass es zwei Wölfe hier im Umland gibt. Er weiß es vom Jäger... dann sind alle Gedanken aus meinem Kopf gefegt

Ich lausche und laufe gleichzeitig und mir fällt auf, dass ich kaum ein Geräusch mache und immer vier fünf Schritt im Voraus weiß, wohin ich die Füße setzen kann, ohne dass ich auf Zweige und Äste trete. Barfuß ginge es noch besser, aber jetzt ist keine Zeit zum Ausziehen. Innerhalb der vier fünf vorausgesehen Schritte kann ich mich umschauen und lauschen. Obwohl die Hose rascheln müsste, tut sie es nicht... Kann man sich selbst beobachten während das Unterbewusste grad die Steuerung übernommen hat? Ich bin offensichtlich auf der Jagd: verfolge ein Geräusch, folge meinem Instinkt, denke nicht in den üblichen Regeln. Mein Atmen geht gezielt leise, obwohl ich so schnell unterwegs bin, dass mein Puls und meine Atemfrequenz schon deutlich erhöht sind. Meine Füße zielen ins weiche Moos und meine Augen sind auf auffällige Formationen im Wald fokussiert (alles, was wie ein Tier aussieht oder sich bewegt), mein Blick wandert hin und her. Nichts verpassen! Außerdem rieche ich den Waldboden und unterscheide sogar das trockene sowie feuchte Holz voneinander. Dabei lausche ich noch immer in die Richtung aus der das Knacken wie von Schritten kam. Dann verliere ich die Spur der Geräusche. Bleibe stehen. Stille im Wald. Nur der Wind und die Autobahn in der Ferne und ein bisschen Waldrauschen... Herzklopfen, Atem geht schnell, Schweiß auf der Stirn...

Hilfe! Was ist hier los? Es gibt also noch eine weitere Steigerung vom 25.05.2010? Verrückt!

Wo bin ich hier eigentlich? Langsam laufe ich über den hier unberührten Waldboden in Richtung eines grünen Feldes, das in der Ferne zwischen den Baumstämmen schimmert. Im Kopf ist noch immer meine Melodie. Angst, dass ich mich verlaufen habe, habe ich nicht. Mir ist irgendwie klar, dass ich mit dem gleichen Instinkt, der mich gerade hierher geführt hat, mich auch wieder nach Hause bringen kann. (Stimmt doch, oder?)

Vor dem Feld ist ein Robinien-Wald. Alte abgestorbene und neue blühende Bäume bilden eine bizarre Kulisse. inmitten eines Baumkreises liegt ein Stein. Keine Frage - da muss ich rauf. Ich schwitze immer noch und knöpfe die Bluse auf. Hier ist ja zum Glück Niemandsland! Ein Windstoß bläst mir die Bluse zurück auf die Schultern und kühlt mich wunderbar angenehm. Ich verbeuge mich auf meinem Stein in alle vier Himmelsrichtungen und dann stehe ich einfach nur da, recke die Hände neben mir in den Wind und plötzlich geht von meiner Brust eine regelrechte Hitzewelle aus. Wie eine abgeflachte Kugel umgibt mich die Strahlung dieser Wärme und dann höre ich die Trommeln. Die kenne ich noch nciht. Es ist auch kein Hören mit den Ohren. Es ist eher ein Fühlen. So wie man einen starken Bass in der Brust spüren kann... dieser Rhythmus...seltsam

Eine Blüte verfängt sich in meinem Harre und holt mich zurück auf den Stein. Beinah verlegen knöpfe ich wenigsten drei Blusenknöpfe in der Mitte wieder zu, bedanke mich in alle vier Himmelsrichtungen und klettere vom Stein. Jetzt sollt eich wirklich mal schauen, wo ich bin? Ah! Das Feld kenne ich. Erstaunlich, dass ich und wie ich von dem schmalen Wildwechsel quer waldein hierher gekommen bin. Aber egal. Instinktiv wende ich mich nach links.

Meine Melodie ist wieder in meinem Kopf und plötzlich weiß ich, dass die Trommeln dazu gepasst ahbe. Achwas! Ich kann leider nicht zweistimmig singen und die tiefen Trommeltöne nachempfinden und das klappen meine Hände an den Oberschenkelseiten klingt viel zu platt. Die Trommeln waren durchdringend tieftönend. Zusammen müsste das wunderbar klingen. Luc ist links von mir und wärmt meinen Oberschenkel. Rechts von mir trottet Tessa. Sie ist irgendwie matt, aber ich kann mit ihr nicht so kommunizieren wie mit Luc. Daher weiß ich nicht so recht, was los ist.

Die Wege hier kenne ich alle sehr gut. Bin schon oft hier unterwegs gewesen. Da vorne werde ich nach rechts gehen, dann kanni ch unser Dorf in einem großen Bogen umrunden. Aber immer wenn ich an die Weggabelung da vorne denke kommt der dringende Impuls, ich solle nach links gehen. Beim dritten Mal frage ich mich, warum in drei Gottes Namen?! Ich will doch da nicht lang gehen. Die Antwort kommt prompt: da liegt etwas, das gefunden werden will und dann kann ich ja umdrehen. (Ey Leute...!)

Brav gehe ich nach links und schaue in die Landschaft. Man kann doch gar nichts finden, was man sucht. Oder ich finde das falsche, wenn ich mich drauf versteife. So ein Quatsch! Tessa nimmt meine Aufmerksamkeit in Anspruch. Irgendwie wird sie immer schlapper, aber ich weiß nicht wieso. Ich spüre nach Luc. Er ist wohlauf, aber auch er kommuniziert mir nichts über die Wölfin. Seltsam! Ich bleibe in Gedanken stehen und meine Augen bleiben an einem blassblauen Stein hängen. Ich hebe ihn auf und wische den feuchten Sand ab. Den soll ich Tessas Mensch mitnehmen. ... Ah ja. ... Meint ihr das ernst? Dieser kleine unscheinbare Stein? (Der lacht mich doch aus, wenn ich sage "ich hab dir was mitgebracht") Toll! ich kehre um, um meinen ursprünglichen Weg wieder aufzunehmen. Ich hab ja jetzt gefunden, was ich sollte SEUFZ

Ein bisschen später fällt Tessa seitlich zusammen. Ich bin bestürzt. Was mach ich denn nun? Sie ist doch nicht mein Krafttier... kann ich trotzdem? Ist ja auch egal! Ich MUSS ihr helfen. Können Krafttiere sterben? Wenn ihr Menschen irgendwie verloren gehen oder sterben? Sterben dann die Krafttiere auch? Ich hab Schiss und konzentriere mich darauf, was ich fühle und spüre, was jetzt zu tun ist...

Wasser. Tessa braucht Wasser. Die leichteste Art, mir Wasser vorzustellen ist eine Vittelflasche. Das muss gehen. Ich flösse ihr etwas in die Schnauze, aber sie schluckt kaum was. Wenn ich die Hand auf der anderen Seite unter ihren Kopf schiebe geht es etwas besser. Plötzlich kommt ganz viel schwarze Luft aus ihrer Schnauze. Die Ärmste! Ich streichle ihre Stirn und stimme mich energetisch auf sie ein, so gut ich kann. Interessant: als es Luc so schlecht ging hatte ich weniger Distanz und es fiel mir schwerer zu helfen. Jetzt bei Tessa kann ich energetisch schneller und zielgerichteter helfen, die ganze schwarze Luft herauszulassen. Das funktioniert richtig gut. Am Ende trinkt sie nochmal Wasser aus meinen Händen und der Flasche. Zum Laufen ist sie noch zu schwach, also kommt das bereits erprobte Ziehgestell nochmal zum Einsatz. Luc läuft links von mir, Tessa ziehe ich hinterher. Sie kann sogar schon den Kopf eine Weile anheben.

Später auf dem Weg finde ich noch einen Stein. Im Grunde liegen da überall immer wieder Steine. Aber nicht jeder will gesehen oder gefunden werden oder fällt ins Auge. Dieser Stein hier erinnert mich an Luc. Ich werde ihn behalten. Vielleicht lege ich ihn in die Praxis? Ein vierblättriges Kleeblatt finde ich auch noch. Das nehme ich meiner Tochter mit. Cool wäre, wenn ich auch was für meinen Sohn mitbringen könnte. Aber was? So ein Wald bietet nicht viel, was ihn interessieren könnte. Es zieht mich wieder einen Seitenweg hinauf. Aber diesmal jage ich nicht, sondern bin ganz in mir selbst unterwegs. Es geht einen Berg hinauf und oben ist ein eine Art kleines Platteau. Ich stolpere über einen dickeren Ast, wodurch er sich auf der ganzen Länge bewegt. dadurch erkenne ich, dass es gar kein Ast ist, sondern eine Geweihschaufel. Riesengroße 80 cm. Die wiegt richtig was, aber ich schleppe sie trotzdem mit nach Hause. Wo ist das eigentlich? Zu Hause?

Geografisch bin ich mir schnell einig, wo zu hause sein muss. Meine Instinke werden immer besser - selbst auf ganz fremden Wegen behalte ich die Orientierung (Danke Luc!) und im übertragenen Sinne bin ich überall hier in diesem Wald, auf diesem Planeten, in diesem Universum zu Hause... Danke großer Geist!

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25.Mai 2010

Also ein Vegetarier mit nem Wolf als Krafttier ist schon irgendwie Ironie des Kosmos. Die Steigerungsform hiervon ist ein Vegetarier, der mit seinem Krafttier gemeinsam auf die Jagd geht... Die absolute Krönung jedoch ist das hier: ein Vegetarier, der bei seinen schamanischen Reisen zum Wolf wird und selbst ein Tier reißt. Und: es nicht wieder hergibt, sondern mit vollem Einsatz verteidigt, um es selbst zu fressen!

Die haben echt Humor da oben! Es geht ganz offensichtlich viel um Instinkte?!

Die größere Herausforderung ist zur Zeit aber eine andere:
Wie bleibt man bei sich selbst, wenn man das große Bedürfnis verspürt, jemandem energetisch nicht nur hilfreich die Hand zu geben, sondern gern seine Nähe mag? Ja ich weiß: man hilft dem anderen viel besser, wenn man ganz bei sich ist! Hab ja schon was gelernt - trotzdem gibt es für mich da einen Spagat. Aber ich fange besser vorne an...

Ich lerne meine Welt in Bildern. Diese Geschichten hier, das was ich innen und außen sehe und dabei fühle, lehrt mich das Universum verstehen, in welchem wir leben. Gute Sache. Neues lerne ich genauso. Erst beobachten, dann selber machen und später Erfahrungen weitergeben. Ein immer währender Zyklus. Vom Unwissen zum Wissen zum Lehren.
Meine ganz persönliche Art, am besten zu lernen sind also bewegte Bilder, aus denen ich nicht nur Formen und Farben entnehme, sondern auch Atmosphäre und Stimmung wirken ganz stark. Dazu kommen die Handlungen und das Erlebte. Manchmal nehme ich die Position des Zuschauers IM Bild ein, manchmal kann ich mich in eine handelnde Person oder ein Tier so hineinfühlen, als wäre ich es selbst und dann das Geschehen aus deren Sichtweise des Lebens nachempfinden. Es ist also eine Art empathisches Wissen, was sich da so im Laufe meines Lebens und der spirituellen Erlebnisse angesammelt hat.

Wenn ich nun inzwischen schon gelernt habe, dass jeder seine eigenen Erfahrungen in seinem eigenen Tempo machen muss, um dass was er lernen will auch daraus lernen kann. Und wenn ich weiß, dass weder Reiki noch Worte noch Medizin zum unrechten Zeitpunkt wirklich helfen oder etwas Beschleunigendes bewirken können, wenn man also trotz allem eigenen Wissen geduldig sein muss und es aber nicht gut sein kann, weil man schon was sieht, was dem anderen noch verborgen ist. Wie soll man damit umgehen, wenn man Tessa winselnd in einer Höhle sitzen sieht. Darauf wartend, dass sie angenommen wird, ankommen kann, aber es ist einfach noch nicht so weit. Ich spüre sie und ihre Hoffnung, die noch nicht erfüllt ist und ich erlebe im Außen, dass es noch nicht so weit ist, dass die beiden zusammen finden. Was ist meine Lernaufgabe darin, diese beiden Seiten zu kennen?

Lerne ich grade Lehrer zu sein? Ja ich weiß - jeder ist Lehrer und Schüler in einem... was lerne ich also grade selber und was lehre ich andere?

Ich denke, ich lerne gerade Geduld (siehe oben) und ich lerne, die richtigen Fragen zu stellen. Die mein Gegenüber ein bisschen näher an die Erkenntnisse bringen, die ich selber schon gemacht habe. Und ich lerne, wie man am besten lernt. Wenn ich ein schlechter Lehrer bin, lernt der andere nix. Ein besserer Lehrer kann man sein, wenn man weiß, wie man gut lernt... wenn man sich die Zeit nimmt, sich zu erinnern, wie man selbst lernt hat und was einem geholfen hat, die eine oder andere Hürdse zu nehmen. Ein großer Anteil am GutLernen ist Zeit haben - das bringt mich dann wieder dahin, dass ich geduldig nicht nur mit mir sondern auch mit meinen Schülern sein muss SEUFZ Und was lehre ich? Im Grunde nur das, was ich schon weiß *grübel* und (und das find ich mal richtig klasse von mir), wie man Erkenntnisse und Wissen findet.

Auf meine Eingangsfrage zurück geworfen heißt das: wenn man jemanden so richtig mag, dass man ihm was Gutes tun will - dann gibt man ihm Zeit und Bilder. Das lässt sich dann auch noch erweitern: wenn man sich selber mag (und das sollte man unbedingt, denn man muss es mit sich selbst schließlich bis zum Tod aushalten) dann gibt man sich selbst Zeit und Bilder...

Im nächsten Leben studiere ich Philosophie oder mache mehr schmanische Reisen und Wanderungen! *lach*

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