Luc der Wolf


 
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05.05.2009
01.05.2009


15.Mai 2010

Luc ist wieder gesund. Er spielt mit mir. Wild. Ungebändigt. Springt mich von hinten um und freut sich wie verrückt, wenn ich das Spiel umkehre und mich meinerseits auf ihn stürze. So geht es hin und her über eine Wiese. Mal bin ich Angreifer, mal Verfolgte. Irgendwann lässt das Spielen nach und er trottet ein Stück neben mir her.

Ohne einen äußeren Anlass laufen wir beide los, ich bewege mich flach über dem Gras nicht so sehr wie ein Mensch - eher im gestreckten Lauf, so wie er. Kurz vor dem Waldrand driftet er seitlich von mir weg, schert nach rechts aus, aber ich verlangsame meine Hatz nicht und als ich ein paar Längen weiter auch einen Haken nach rechts schlage, steht Luc über einem Reh, das er zu Fall gebracht und ihm das Genick gebrochen hat. Ich trotte zu ihm rüber und lecke ihm die blutige Schnauze, danke der Seele des Rehs, dass es für uns (!) gestorben ist und uns seinen Körper als Nahrung überlässt. Ich fresse nichts davon, aber es ist auch null Problem, dass hier ein totes Tier vor mir liegt. Alles muss so sein. Es ist gut.

Später bleiben wir im halb hohen Gras liegen, schauen übers Land und in die Wolken. Luc hat den Kopf auf die Vorderpfoten gelegt. Ab und zu hebt der die Augenbrauen, wenn ich ihn mit einem Grashalm necke oder ihm meine Gedanken über meine Lebenseinstellung als Vegetarier erzähle.

Dann leckt er meine Hand, beginnt übermütig, mich zu beißen, sich wieder mit mir zu balgen. Ich beiße zurück in sein Ohr, drücke ihn unter mir ins Gras, dann gewinnt er wieder die Oberhand, schnappt mich in die Seite, bevor ich ihn mit den Zähnen im Genick erwische... da ist er schon wieder im Vorteil und mir fällt auf, dass sein Konturen verschwimmen. Es wirkt wie durch eine Art Schleier, aus welchem weder mein Wolf noch der Mensch klar hervor treten. Er ist einfach Mensch und Wolf zur selben Zeit. Dennoch bin ich nicht orientierungslos oder verwirrt. Es erinnert mich an vorhin, als ich beim Jagen Wolf war. Es ist offensichtlich einfach wie es ist. Wir sind jeder beides. Erstaunt halte ich inne und Luc ebenfalls ...

Ich suche seinen Blick und in dem Moment, als sich unsere Augen finden wird alles wieder klar. Er ist vorrangig Wolf und ich bin überwiegend Mensch. Ob ich das mit Absicht wechseln könnte, mein Sein? Vielleicht schon. Aber warum sollte ich das wollen? Es ist doch alles gut, so wie es ist. Wenn wir zusammen sind können wir offensichtlich in das Erleben und Empfinden des anderen eintauchen. Was für ein Geschenk!

Später taucht Tessa auf und Luc flitzt voller Freude quer über das hügelige Gras zu ihr. In der Ferne irgendwo ist der Mann, der zu ihr bzw. zu dem sie gehört. Er ist mir heute in Bezug auf mich nicht wichtig. Ich registriere nur, dass er da ist und genieße das gute Gefühl, dass es noch jemanden gibt, der so ist wie ich. Im Grunde ist das spekulativ, da ich ihn nicht wirklich kenne. Es ist nur ein unbeirrbares Gefühl eben. Eine Art inneres Wissen... Luc und Tessa verfolgen sich abwechselnd im gestreckten Lauf, fallen übereinander, berappeln sich und kehren die Jagd um. Ich muss lachen beim Zuschauen.

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April und Mai 2010

Luc taucht immer noch unerwartet mitten am Tage auf. Wenn ich nicht gut auf mich selbst achte kommt er seltener (bemerke ich ihn natürlich seltener). Sobald ich mich auf mein innerstes besinne ist er so präsent wie ein reales Tier.

Luc ist jetzt wieder fast normal klein - also immer noch groß, aber nicht mehr bis an meine Brust. Ich sehe ihn an und kann in ihm sehen, wie ich mich fühle. Umgekehrt, wenn er mich ansieht, kann ich in seinem Blick lesen, was er in mir erkennt. Wie gehören zusammen und das ist ein sooo gutes Gefühl, wie eine tolle Familie oder in richtiges Zu Hause zu haben. Man schöpft Kraft daraus. Besonders beim Laufen ist Luc bei mir. Ich spüre seinen Körper oder sein warmes Fell an meinem Oberschenkel - je nachdem ob ich kurze oder lange tights trage. Das ist schon ein bisschen gruselig, da mir völlig klar ist, dass nur ich Luc sehen und spüren kann.

Ich schaue ihm manchmal zu, wenn er mit Tessa herum tollt oder sie einfach nur still im Gras liegen. Dann sehne ich mich danach, diesem Mann der zu der Wölfin gehört, real zu begegnen. Andererseits bin ich real noch nicht so weit. Also kommt DER AUgenblick erst noch. Tahca Ushte (Lame Deer) und alte Mutter haben unsere Hände aufeinander gelegt und vor dem großen Geist gehören wir nun zusammen. Es floss unheimlich viel Licht durch unsere übereinander gelegten Hände, so dass ich den Mann noch immer nicht gesehen habe. Nur gespürt und das wird auch das sicherste "Erkennungszeichen" sein, wenn wir uns real begegnen. Alles wird kommen, wie es kommen muss. Meine Ungeduld ist davon aber natürlich nicht geheilt.

Letzte Woche war Luc krank. Ich war sehr besorgt und ich verstand nicht, warum es mir gut ging. Sonst ist doch einer des anderen Spiegelbild? Luc lag am Boden wie tot. Ich war verzweifelt, weinte, rüttelte ihn, versuchte ihn aufzurichten... aber er war einfach nur völlig leblos. Erst als ich in seine Schnauze fasste, bekam ich etwas Schwarzes zwischen die Finger, ich versuchte, ihn davon zu befreien und plötzlich richtete er sich halb auf und konnte sich übergeben. Erst war ich froh, weil er nun nicht mehr wie tot dalag und sterben müsste, aber dann begann ich mir Sorgen zu machen, weil das Erbrechen nicht enden wollte. Luc wurde immer schwächer und immer schmaler und unscheinbarer, während das Erbrochene so groß wurde wie er selbst und am Ende wie ein Wolf aus toter Materie da vor uns im Gras lag. Luc selber war so leer, dass er wie ein hohles Fehlbündel wirkte. Ich konnte mit meinem inneren AUge in sein Innerstes sehen und da war immer noch etwas, das nciht hinghörte, ich stellte mir vor, wie es sich in seinem innern sammelte und hinausdrängte und tatsächlich musste Luc noch zwei mal speien. Dann war in ihm nichts falsches/Schmutziges mehr. Ein tiefengereinigter Wolf... Ich war so froh, dass ich ihn in die Arme nahm und von dem ausgekotzten Wolf weg zog, dabei war er so schwach, dass er nicht allein gehen konnte. Ich holte ihm Wasser, er konnte trinken und es tat ihm gut. Ich war soooo erleichtert!

In den nächtsten Tagen kam Luc immer mehr auf die Beine. Als ich das nächste Mal laufen war, lief er aber noch nicht wieder neben mir her. ich zog ihn auf einer Art Trage hinter mir her. Muss ich erwähnen, dass ich an diesem Tag real langsamer voran kam als sonst? Einmal kam Luc auch auf dem Gepäckträger von meinem Fahrrad mit zum Brötchen kaufen - sehr lustig. Kennen schamanische Reisende oder Spirituelle Führer so etwas wie Humor?

Noch ein paar Tage später ging es uns dann umgekehrt. Ich war völlig fertig, musste einiges verkraften, überleben und dann raus lassen. Zum Glück nicht in der Form wie der Wolf, der währenddessen die ganze Zeit in meinem Kopf war (nicht an meiner Seite wie sonst). Aber mitten im Wald blieb mir die Luft weg. Mein Brustkorb völlig zugeschnürt, Herzschmerzen, allerdings keine Angst. Nur das Begreifen, dass sich da irgendwas seinen Weg bahnt, das ich auf keinen Fall unter keinen Umständen in mir behalten will. Aber es kam nichts raus. Weder Atemluft ncoh ein Ton... Ich fiel auf die Knie und rang mit mir. Ein oder ausatmen? Was würde zuerst möglich sein? Im Moment ging gar nichts. Aber meine Zeit zum Sterben ist noch nicht. Das machte mich trotz der bedrohlichen Situation ruhiger.

Ganz langsam entwich dann ein My Luft aus meinen Lungen. Das löste endlich den Krampf und ich konnte wieder atmen. Beengt noch - aber immerhin. Allerdings konnte ich nicht keinerlei Laut von mir geben. Das war sehr gruselig, was da an Luftgeräuschen aus mir rauskam ohne Ton oder Stimme oder Modulation. Ich heulte daraufhin hemmungslos und schluchzte und schniefte beim weiterjoggen und war sehr froh, dass ich in unseren Wäldern allein bin weit und breit. Zwei Kilometer weiter in einem anderen schönen einsamen Waldstück kroch mir langsam ein Schrei in die Kehle. Ich spürte es und obwohl ich das noch nie erlebt hbe, wusste ich, was da geschieht. Es sammelte sich in einer Art unbremsbarer Kraft in meiner Kehle, mit der klaren Richtung nach drau&azlig;en. Und von einem Moment auf den anderen löste sich ein gigantischer Schrei aus meiner Kehle. Es war zum Fürchten und schallte aus allen Richtungen zu mir zurück. Es kam mir kein Stück menschlich vor, so tief und unglaublich laut war es. Mit Absicht könnte ich einen derartigen Laut nciht zustande bringen. Ich begriff, warum Wölfe heulen und was sie alles damit ausdrücken können und warum Menschen Angst vor Wehrwölfen haben... Danach ging meine Atmung etwas freier, aber es löste sich etwas später noch ein zweiter Schrei. Dann versiegten unvermittelt die Tränen und ich fühlte mich innerlich frei und sauber, jedoch zum Gotterbarmen erschöpft und müde...

Jetzt geht es Luc und mir wieder gut. Wir brauchen viel Schlaf und er liegt nachts oft neben mir im Bett. Das ist neu. Bisher war er nie nachts bei mir...

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27.01.2010 bis 15.02.2010

Neulich bei einem Aura-Soma-Erlebnisabend konnte ich mit meiner gesammelten Energie ich seltsame Dinge anstellen: sie für andere wahrnehmbar machen. an diesem Abend war es unbeabsichtigt. Mir kam nur komisch vor, dass alle Menschen auf dieser Veranstaltung mich mal ansprechen, berühren oder mit mir in Kontakt treten wollten. Ich selber war an diesem Abend einfach nur extrem in meiner Mitte.

Ein paar Tage später, als ich mich daran erinnerte und versuchte,mich noch einmal so in meine Mitte zu bringen konnte ich mich (ohne Ablenkung) selbst wahrnehmen und es war als ginge eine große Kugel Licht von mir aus. Sie ist oval und gelblich-weiß. Voller Kraft, als wenn man einen Ton anfassen könnte vibriert und summt es. Ich kann es ausstrahlen und wieder zurückziehen. Dafür brauche ich ne Menge Konzentration, aber es geht. Und wenn ich diese Licht-Energie-Kugel sich beruhigen und klarer werden lasse, formt sie sich zu einer Gestalt. Interessanterweise ist es ein weißer Drache aus Licht, nicht sehr materialisiert... Ich bringe das noch nicht so ganz mit dem Ende der Drachengeschichten zusammen - aber das kommt vielleicht noch?

Seitdem kann ich mich viel besser erden - als wären meine Reiki-Kanäle runderneuert und geputzt. Ich kann sehen, wie die Energie aus dem Universum zu mir herabgeflossen kommt, wenn ich mit ihr verbinden will. Und wenn ich dann in diesem energetischen Zustand bin, muss das für andere Menschen und auch meinen Kater sehr angenehm zu spüren sein.

Und heute habe ich gesehen: Luc ist "gewachsen". Er reicht mir "über Nacht" fast nicht mehr nur bis zur Hüfte, sondern bis an die Brust. Ich spüre ihn und seine Kraft. Er hat die Zähne gefletscht und geknurrt, wir balgen uns kurz, dann ist es aber auch schon wieder gut. Seltsam - ich hab keine Angst oder Fragen, wenn er das tut. Es ist einfach gut und richtig so wie es ist.

Es passiert so viel und sowohl ich als auch mein Leben machen sich auf den Weg... zusammen mit Luc.

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21.01.2010
Seit meiner Begegnung mit Tahca Ushte (Lame Deer) ist schon wieder so viel passiert! Wir begegneten uns noch öfter und er half mir jedesmal einen Schritt weiter, gab mir Rat und Hilfe und ich verneige mich. Danke!
Heute ging ich durch den verschneiten eiskalten Winterwald und diese Wanderung war wie eine Reise durch mich selbst.

Luc ist nicht richtig bei mir. Ich erkenne ihn nur schemenhaft - wie durch einen Schleier und ich selbst fühle mich so extrem leer und ziellos und ebenso irre ich heute durch den Wald. Erst lief ich quasi einmal im Kreis, dann meinte ich auf dem richtigen Weg zu sein und landete widerum in der Fremde. Nach etwas mehr als einer Stunde stand ich bis zu den Knien im Schnee, mitten im Nirgendwo und hatte keinen Plan, wo ich bin. Keine Landkarte, keine Sonne (dichteste Wolkendecke) zur Orientierung, kein Weg, kein Steg. Die einzigen menschlichen Spuren im Schnee (große Männerschuhe und Reifenabdrücke von nem Jeep - sicher der Förster) mochten drei oder vier Tage alt sein... Leere. Einsamkeit. Seufz.

Wo ist zu Hause und will ich da überhaupt hin? Wo komme ich her? Ich will nicht in das Alte, Gewohnte zurück - weder im übertragenen noch im wörtlichen Sinne. Ich drehte mich langsam einmal im Kreis. Gefrorenes Gras, Schnee, kleine Bergkuppen, Kuscheln, Kiefern. Schön eigentlich - nur kein (Aus)Weg eben. Was tun, wenn man nicht weiter weiß oder in einer ausweglosen Situation wie eingesperrt ist? Tja. Nutze, was dir innerhalb deiner Grenzen möglich ist! Was gibt es denn hier zu nutzen?

FLASH ZOOoom: Bilder! Um mich herum ist alles grau. Unendliches grau, so zäh und dick, dass es weder Entfernung noch Nähe darin geben kann - es ist einfach nur überall. ich kann oben und unten nicht unterscheiden, es gibt kein Hell und Dunkel. Nur grau. Ich kniee - da also muss unten sein? was gibt es noch im grau? Nur mich. Na super! Was soll das? Wo sind Luc, Weise Mutter und Lahme Deer? Ich kann sie nicht spüren dun nicht sehen. Das ist ja zum heulen, wie verlassen ich mich fühle!

Wenn man nichts anderes hat, soll man das nehmen was da ist und das bin heute und hier NUR ich. Im Wald ebenso wie im Grau in meinem Inneren. Na dann!

Was bin ich? Wer bin ich? was ist gut und liebenswert und brauchbar an mir - gerade jetzt in diesem Moment? Mir fallen tatsächlich außer "liebenswert, menschlich, hilfsbereit, klug, stricken, sticken, nähen können... ein paar Dinge ein:
- ich habe keine Furcht. Nicht jetzt und hier, dass ich nicht heimfinde und auch generell nicht.
- ich spüre eher, dass diese Situation hier mir irgendwas sagen wird und die die Bilder ein Hinweis auf meinen Weg sind
- wenn ich mich in mir sammle und meine Energie konzentriere werden die nächsten Schritte sich offenbaren
- wenn man auf dem richtigen Weg ist, ist immer die nächste Tür schon offen.

So wie ich zu mir komme, erhellt sich alles. Mein zentrum dehnt sich förmlich über meine körperlichen Grenzen hinaus aus und ich kann den Boden unter meinen Knien sehen. Immerhin! Also konzentriere ich mich weiter auf mein Inneres und zu Boden kommt eine Art Feuer/Lichtschein vor mir. Letzten Endes erkenne ich, dass ich in einer Art Tipi sitze. Macht ja auch irgendwie Sinn, seit ich mit Tahca Ushte und Weise Mutter zusammen bin... Nur den Ein- bzw. Ausgang vom Zelt sehe ich noch nicht. Also bin ich noch nicht fertig. Aber Luc ist bei mir. Er legt sich neben mich und beobachtet mich auferksam. Guter Wolf! Ich bin so froh, dass er da ist. Und so wie er aussieht geht es ihm sehr gut. Dann wird alles sich fügen und mein Selbstvertrauen wächst.

Ganz real im Wald habe ich angefangen zu gehen. Ich stapfe in den Fußspuren des Försters so gut es geht, denn der Schnee ist verharscht und seine Schritte haben nicht mein Maß. An einer Wegkreuzung schaue ich kurz auf und verlasse dann seine Spuren. Nach dem vermutlichen Stand der Sonne könnte es eine recht gute Richtung für mich sein, aber es spielt gar keine Rolle und es spielt auch keine Rolle, dass ich nach zehn Minuten doch noch einmal umdrehen muss, weil ich merke, dass der Weg einen weiten Bogen in die falsche Richtung nimmt.

Im Tippi wird es plötzlich hell. Weise Mutter tritt ein. Sie sieht mich kurz an und lässt mich dann wissen (komisch - sie redet nie mit Worten - es ist immer eine Art inneres Verstehen), dass sie jemanden mitgebracht hat und das Leder der Zeltwand erstrahlt wieder hell und bleibt hell, als derjenige eintritt. Ich wage nicht hinzuschauen und nehme nur schemenhaft war, dass er mindestens 2m groß ist und irgendwie... leuchtet. Ich schnappe nach Luft und bin hin- und hergerissen. Jetzt ist nicht der Moment jemanden kennezulernen, sondern meinen Weg zu finden? Und überhaupt warum leuchtet der Typ so - was für ein Wesen ist er? Ich spüre, er ist eni Teil von mir, aber ich kann mich einfach nicht drauf einlassen und Weise Mutter schweigt, nickt und tut nichts weiter. Sie stehen da bei mir und ich möchte die Hand ausstrecken, um so ungefähr seine Herzgegen zu berühren, traue mich aber nicht. Es erscheint mir zu gewagt.

Im Wald habe ich jetzt einen bekannten Weg erreicht - nur noch 30 oder 40 Minuten bis zu Hause im Warmen. Es liegt auch etwas weniger Schnee hier auf den Wegen. Ich resümiere, dass man mehr vom Wald sieht, wenn man sich verläuft, solange man beim Verlaufen einigermaßen klar im Kopf bleibt ist es gar nicht so übel. Im Gegenteil. Ich will trotzdem keine Landkarte mit mir rumschleppen (Jetzt grade beim Aufschreiben fällt mir ein, dass ich eine Karte dabei hatte! Ist ja der Hammer. In der Innentasche müsste sie sein, weil ich sie nie rausnehme!) usnd solche Tage hier auch genießen. Furcht hatte ich ja nicht. warm war mir auch und die innere Leere ist gar nicht so leer, wenn man sich besinnt. Auf sich. und das was gut ist.

Im Tippi stehe ich immer noch unentschlossen vor dem leuchtenden Mann-Wesen. Geguckt hab ich auch noch nicht. Traue mich nicht - er kommt mir zu groß und lichtvoll vor, wo ich gerade heut so ein kleines Lichtlein bin. Weise Mutter nickt und verneigt sich und geht mit ihm wieder hinaus (heut denk ich mir "schade!" =) Luc aber blieb bei mir udn ich entfachte ein Feuer und plötzlich waren da Sterne in der Mitte des Tipis im Rauchabzug konnte ich sie sehen. Unendliche Weiten...

Ich will immer noch heilen und ich will immer noch meinen Partner finden oder gefunden werden udn ich will den Menschen helfen, sich selbst zu helfen, denn wenn jeder mit sich im Reinen ist kann sich die Welt verändern, weil es nicht mehr notwendig sien wird, in anderen Menschen Konkurrenten zu sehen...

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04.01.2010


Diese Nacht war eher eine (schamanische?) Reise als "Schlafen und Träumen"
Ich war bei Tahca Ushte (Lame Deer) und sagte ihm , dass ich Medizinmann werden will. Ich spreche mit der Natur, verstehe ihre wortlose Sprache und es ist mir ein großes Anliegen, MIT der Natur statt gegen sie zu leben. So wie es ein Indianer oder Medizinmann auch leben möchte. Ich habe durch mein Leben, so wie es ablief sehr viel gelernt und traue mir zu, die Dinge als Gesamtes zu verstehen, noch mehr zu lernen und mein Wissen auch anderen übermitteln zu können. Ich möchte die Welt ein bisschen besser machen, indem ich in den Herzen meiner Zuhörer etwas bewege, das Samenkorn lege ,damit sie bei sich anfangen, auf ihre eigene Natur zu hören. Und wer seine eigene Natur hören lernt, der lernt auch die äußere Natur verstehen und achten und wird sein Verhalten ändern und wenn viele Menschen beginnen, ihr Verhalten zu ändern, dann bewegen sie am Ende gemeinsam etwas Großes. Vielleicht kann Mutter Natur auf diese Weise gerettet werden. Ich will es unbedingt versuchen, auch wenn es so riesig klingt. Dafür bin ich auf der Welt. ich reise nicht zu einem großen schwarzen Loch, um mich hinein zu stürzen. Nein. Ich habe ein Ziel. Darum bin ich Heilpraktikerin geworden.
Tahca Ushte lächelt: "Du möchtest viel bewegen. Nicht nur Dich selbst" (Er spielt darauf an, dass ich vor lauter Energie so viel gestikuliert und gemimt habe beim Sprechen) Ich muss lachen - so wie er das sagt wird mir auch lar, dass ich nicht weniger auf dieser Welt brauchen kann, als Dinge, Situationen oder Menschen, die mich fesseln, aufhalten, behndern oder stagnieren lassen. Sofort fällt mir Herr Fisch ein und dass ich nicht will, dass er nochmal einmal jemals in meinem Leben auftaucht, um mir neue Geschichten zu erzählen. Tahca Ushte lächelt wieder und sagt, es gibt einen einfachen Weg. Ich weiß, was er meint.
Ins Dai Komio und die anderen Reiki-Symbole gehüllt bitte ich meine Ahnen und Luc um Hilfe. Meine verstorbene Oma, mein HP-Großvater und noch andere, die ich nicht namentlich benennen kann gesellen sich zu mir, um mich zu unterstützen. Luc gibt mir seine Stärken, indem ich seinen Teil seiner Persönlichkeit, den ich in mir trage klar zu spüren bekomme und ein Wolfsfell tragen darf. Ich trage es wie einen offenen Umhang mit Kapuze, den Kopf des toten Wolfs auf meinem. Außerdem habe ich den Stock eines Medizinmannes bei mir. Er ist so groß wie ich und etwa faustdick. Anders als in den Drachengeschichten ist das fortbewegen hier mit Energieaufwand verbunden. Es reicht nicht, alles nur zu denken und schon ist es geschehen. Hier ist ein Weg ein Weg und benötigt Zeit und Kraft. Verschoben zwar - aber eben deutlich nicht OHNE Aufwand. Wir gehen zu meiner Grenze. Da wo die Prärie vor meinen Füßen aufhört und übergangslos zum Wohnzimmer von Herrn Fisch wird. Ich bitte sein höheres Selbst, mit mir zu sprechen und werde erhört. Erschrocken springt Herr Fisch vom Halbschlaf auf seiner Couch hoch und steht mit vis á vis auf einen Meter Entfernung. Er in seinem Wohnzimmer, ich auf fester aber staubiger Erde mit wenigen Gräsern darin. Ich stampfte den Stab einmal auf die Erde zu meinen Füßen und sprach mit erstaunlich fester Stimme: "Ich danke Dir dafür, dass ich durch Dich lernen durfte, wie wichtig es ist, auf sich selbst zu achten, sich selbst treu zu bleiben. Ich lernte durch Mangel auch, wie sehr ich mir wünche, geliebt zu werden und es nciht an mir liegt, wenn ich nicht geliebt werde... (Erinnert das jemanden an mein Aura-Soma-Reading von gestern? Mich auch!) ... ich danke Dir auch, dass Du dreimal zu mir zurückgekommen bist, als ich es noch nicht zu Ende gelernt hatte. Aber: Jetzt brauche und wünsche ich keine weiteren Lern-Lektionen mehr von Dir. Bitte bleb auf deiner Seite dieser Grenze" und ich zog mit dem Stab eine Linie auf der Grenze von Prärie und Teppichboden. Er setzte an, um etwas zu erwidern, mir etwas zu bedenken zu geben, aber ich hob die Hand und fragte sehr gebieterisch: "Hast Du mich verstanden?" Er sagte kleinlaut "Ja, aber...". Ich wollte sein "aber" nicht hören, denn so hatte immer alles begonnen und schnitt ihm abermals mit Handbewegung und Frage das Wort ab. Insgesamt wohl dreimal. Bis er tief Luft holte und laut und fest "Ja" sagte.
Dann sollst Du jetzt noch etwas wissen: "Der Brief, den Du vorhattest mir zu schreiben. Heb ihn Dir auf. Dort in deiner Schublade, aber schick ihn mir nicht. Und das Zweite ist, dass ich eine junge Frau mit einem kleinen Mädchen sah. Du liebtest das Mädchen und sicher auch die Frau dazu. Nutze diese Chance, um etwas Neues zu lernen, glücklich zu werden und die Vergnagenheit zu verabschieden. Ich wünsche Dir alles Glück der Welt dabei.
Ich drehte auf dem Absatz um und ging. Hinter mir in der Linie, die die Grenze ist, sammelten sich vom Wind bereits die ersten Samen einer Pflanze, welche mal eine Hecke werden würde. Tahca Ushte lachte neben mir und bemerkte "Ein Zwiegespräch war das nicht. Eher eine Art Befehl." Ich war gar nicht verlegen, als ich antwortete "Es musste genau so sein" Jetzt bin ich erleichtert. Zielstrebig humpelte ich gefolgt von den anderen zurück zu dem Ort, von dem wir aufgebrochen waren.
Jemand fragte, warum ich humpele? Ich war selbst verwundert. Komisch. Vorhin war mir da nix aufgefallen. Aber jetzt? Eindeutig. Den linken Fuß kann ich nicht richtig belasten und deshalb hinke ich auf der linken Seite. "Sollen wir uns daum kümmern?" fragte mich jemand. hmpf ... tja ... Ja. Warum nicht?
Im selben Moment fühlte ich mich auf die Erde gelegt und Tahca Ushte begann etwas zu reden, was ich nicht verstand, während alle anderen zu meinen Beinen und Füßen um mich herum wuselten. Ich fühlte mich unglaublich sicher und total gut aufgehoben und weil diesen Gefühl so selten und besonder ist, war ich zu Tränen gerührt und fragte laut, ob es das ist. Ob es sich so anfühlt, wenn man umsorgt wird (Blöde Frage - aber für mich ist das eine völlig neue fremdartige Erfahrung.) Niemand antwortete also ließ ich mich in dieses gute Gefühl fallen und schloss die Augen, wie zum schlafen.
Da plötzlich fühlte ich mich rückwarts in den Boden sinken, ich riss innerlich meine Augen auf, um zu sehen was passierte. Was ich sah, war ich selbst, wie ich langsam in eine blaue gallertarige Masse versank, gleich würde mein Gesicht auch verschwunden sein. Aber irgendwas in mir hielt mich davon ab, mich zu wehren oder abzuhauen. Also blieb ich still liegen und versank weiter. Erst als mir einfiel, dass ich in dieser Masse nicht würde atmen können, hatte ich den Impuls, mich aufzusetzen, aber dann hörte ich meine innere Stimme: "Hey das kennst Du doch aus dem Drachenland!" Das stimmt. Ich musst eeinfach nur Geist und Körper getrennter Wege gehen lassen. Mein Körper bekam am sicheren Ort zu Hause und in den Armen meiner Ahnen und Tahca Ushte's den Auftrag, ruhig und gleichmäßig zu atmen und meinem Geist erlaubte ich, weiter in das Erlebnis bzw. Gelee einzutauchen. Das funktioniert sofort. Mein Puls normalisiert sich. Ich atme während ich in das blaue Gel hineinsinke. Angst habe ich keine mehr. "Sei ganz locker und ruhig. Schau, wohin es Dich führt" ermutige ich mich innerlich. Meine Waden und Füße fühlen sich wie "draußen, aber der restliche Körper ist ganz damit eingehüllt. Jetzt drehe ich mich um die eigene Achse, so dass ich bäuchlings tiefer sinke. Wie zum Kraul-Schwimmen strecke ich den rechten Arm durch das Gelee und weiß plötzlich, dass ich dort eine Art Stöpsel zu fassne bekommen werde. und wirklich. Ein flaches braunes, von den Gezeiten glatt geschliffenes Holzstückchen kommt in meine Finger. Ich ziehe und plötzlich wird das ganze blaue Zeugs um mich herum durch ein Loch vor mir nach unten weggesogen. Es geht völlig rücksandsfrei von mir ab und ich bestaune das kleine Holzplättcen in meiner Hand. Etwa 5 cm im Durchmesser und dann betrachte ich das Loch, dass damit verschlossen war und sehe orange-gelbes Licht und das was da leuchtet ist mein innerstes ... meine Wahrnehmung kippt und ich verstehe, dass es eine Reise in mich selbst war und dieses kleine Leuchten da ist in mir. Es ist gesund, Gesundheit, Heilung. Wow ich muss es immer wieder anschauen und dabei auf die Beine springen und lachen und tanzen und ich nehme Tahca Ushte an meine Hände und erzähle es ihm (als ob er es nicht wüsste). Mir kommen Freudentränen, weil ich ganz offensichtlich gesund werden kann, weil in mir etwas funktioniert und sogar leuchtet! Ich falle vor Luc auf die Knie und wurschtele sein Fell an Brust und Rücken übermütig durcheinander, er gibt Laut und ist mindestens so aufgeregt wie ich, leckt mir quer durchs Gesicht, dass ich fast rückwärts umfalle und ich muss noch mehr lachen. Ganz befreit. Beim Tanzen fällt mir auf, dass das Humpeln weg ist. Das auch noch. Leute!
Ich danke meinen Ahnen, die mir alle die ganze Zeit lächelnd zugeschaut haben und sch an meiner Freude freuen. Ich bin Euch so dankbar, dass ihr mich begleitet habt und dass ihr so für mich gesorgt, mich geborgen fühlen gemacht habt. Das ist soo so wertvoll für mich. Ich verneige mich vor Euch.

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05.05.2009 bis 10.05.2009

Mit meiner Hand auf der Schulter des Wolfs gehe ich den Mittelgang zwischen den Stuhlreihen nach oben. Ich drücke die Tür auf und sie knarzt ein wenig. Oben im Vorraum brennt eine Lampe, keine Menschenseele ist zu sehen. Wir gehen weiter, vorbei an einer Kasse und alten Plakaten und ich drücke die schwere Schwingtür nach draußen. Gleißendes Sonnenlicht...

An dieser Stelle bricht das Sehen ab.

Tags darauf fällt mir der Wolf immer wieder ein. Immer mit dem gleichen Bild: ich sehe in seine Augen. Nachmittags im Supermarkt gehe ich an den Zeitschriften vorbei, weil das die Abkürzung zu den Kassen ist. Aus irgendeinem Grund bin ich plötzlich überzeugt, dass ich unbedingt mal wieder Anregungen oder aktuelles Wissen aus einer Illustrierten beziehen sollte. Der NG hat nix Interessantes zu bieten und in der Geo sind auch nur mäßig interessante Artikel. Sie kommen mir flach und farblos vor. Da sehe ich ganz in der Ecke in unauffälligen Brauntönen "Schamanismus und Psychotherapie". Was für eine Überschrift ... etwas überfrachtet für mein Empfinden. Meine Ratio zweifelt noch, aber meine inneren Führer haben schon entschieden. Die anderen zwei psychologischen und esoterischen Zeitschriften, die auch dort liegen schaue ich nur halbherzig an. Dann kaufe ich "Schamanismus und Psychotherapie".

Erst einen Tag später komme ich dazu, etwas darin zu blättern. Ein Werbeflyer fällt heraus und darauf ist "mein" Wolf abgebildet. Wow! Ich starre ihn immer wieder an und staune. Die Artikel sind für mich eine Art Offenb arung. Da draußen gibt es Menschen, die mit ihrem Fühlen und ihrem intuitiven Wissen anderen Menschen helfen. Die das, was ich beim ReiKi erlernt habe mit anderen Namen von Indianern kennen und wieder einmal reift die Erkenntnis in mir, dass sich alle großen Konzepte von unserem Welt-Konstrukt so ähneln, weil es wohl der Wahrheit entspricht. Nur hat jede Kultur den selben Dingen und Phänomenen verschiedene Namen verpasst. Was bin ich froh, dass ich endlich mal wieder meiner inneren Stimme gefolgt bin. Dank dir und dank dem Wolf!

Immer wieder über den ganzen Tag spüre ich den Wolf in meiner Nähe. Ein Freund, der mir seine Homöopathische Bibliothek überlassen wollte, erzählt mir von Ho'oponopono von Bärbel Mohr. Ich bin begeistert und will es ausprobieren, aber tagsüber komme ich nicht dazu, mich so zu konzentrieren und zu entspannen, also google ich und lande zwei Klicks später bei www.hunaseite.info ich bin geplättet: da erlebt einer solche Geschichten wie ich und schreibt sie auch auf! Cool! Leider funktioniert sein Gästebuch nicht, so kann ich kein Lob hinterlassen...

Ich gehe abends laufen und möchte den Wolf bitten, mit mir zu kommen. In dem Moment, als ich ihn rufen will und mir jetzt eigentlich die Frage stellen müsste, wie ich ihn ansprechen soll, ist da sein Name in meinem Kopf. Luc. sprich "luuk") Sofort spüre ich die Wärme und den leichten Druck an meinem rechten Oberschenkel. Ich muss grinsen und frage mich, ob mir jetzt alle Leute eigentlich mehr Platz machen, wenn sie seine Präsenz an meiner rechten Seite spüren? Ich jedenfalls versuche, so zu laufen, dass er neben mir Platz hat.

Mitten im Laufen ist plötzlich das Bild vom gleißenden Sonnenlicht vor dem Kino wieder da. Nur ist das Bild diesmal erweitert um Luc, der die Zähne fletscht und furchteinflößend tief und zornig Richtung Licht knurrt. Ich bemühe mich, kann aber beim besten Willen in diesem grellen Licht nichts erkennen. Es beruhigt mich, dass Luc mich beschützt. (Das erklärt auch, warum er bei mir bleibt) Und seltsamerweise macht mir das, was da im gleißenden Licht versteckt ist, keinerlei Sorgen oder Angst.

ZOoom zurück ins Hier und Jetzt ... ich bin immer noch beim Laufen. Außer Luc an meiner rechten Seite spüre ich noch etwas links von mir. Sofort, in diesem kleinen Moment der Aufmerksamkeit, erkenne ich einen Falken. Er fliegt knapp hinter mir, über meiner linken Schulter. Er hängt irgendwie mit meiner Mutter zusammen. Aber richtig erklären kann ich das noch nicht. Habe dann doch während dieses Laufs nochmal ab und zu auf die Straße und meine Füße geachtet. Luc bleib die ganze Zeit bei mir, während der Falke nach dem Laufen erstmal weg war.

Achja: und unterwegs an den Wäldern vorbei, als ich Luc sagte, er solle sich doch ruhig dort austoben gehen und er auch kurz verschwand, spürte ich kurz darauf heftigste Unruhe und rief innerlich seinen Namen. Sofort hörte ich seine Antwort, (wenn er gekonnt hätte, hätte er sicher gelächelt) dass er da ist. Immer. Und wenn er unterwegs ist kommt er wieder zurück. Ich kann vertrauen. Ich solle es nur ruhig mit ihm üben. Ich holte tief Luft und sagte ihm, er solle ruhig wieder in den Wald flitzen, ich würde derweil mal ein wenig Vertrauen üben.
Er lief davon und ich blieb wirklich ganz ruhig. Etwa anderthalb Kilometer später spürte ich ihn wieder an meinem rechten Schenkel und erst da wurde mir bewusst, dass ich so lang allein gewesen war und trotzdem alles in Ordnung. Na wunderbar. Wieder was gelernt!

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21.04. bis 01.05.2009

Wieder tauchen die Bilder mitten am Tage auf... Früher bin ich bewusst ins Drachenland gegangen. Heute kommt es zu mir? Vielleicht bin ich einfach immer zu taub, zu "beschäftigt". Da kommt der Berg eben zum Propheten :-)

Immer wieder sehe ich den Wolf. Er liegt halb aufrecht auf seiner rechten Seite, mit dem Rücken dicht vor einer Holzwand und schaut mich an. Oder sollte ich lieber sagen "mir zu"? Er gähnt. Zum ersten Mal hat er sich bewegt und aufgehört, mich so unverwandt anzuschauen. Wobei es mir nie unangenehm ist. In keiner Weise. Ich fühle mich positiv von ihm angezogen. Ohne Eile, ohne Drängen, wissen zu wollen, was er will oder wer er ist oder was er tut und warum bei mir und lauter so Zeugs. All diese Fragen, die ich sonst immer im Kopf habe sind weg. Mein Kopf ist leer, mein ist ganz Herz ruhig.

Ich sehe Kansuuk zu, wie er fliegt. Erst hat er Mühe, irgendwie wirkt er abwesend, wie unkonzentriert... seltsam. Meine nackten Füße im warmen Gras schaue ich einfach beobachtend nach oben. Kansuuk sieht aus, wie ein Schwimmer unter Wasser, der sich dringend eilt, an die Wasseroberfläche zu kommen, um Atem zu holen. In Gedanken fiebere ich mit ihm, schicke ihm Kraft und Mut und irgendwann lässt sein Mühen nach, plötzlich ist sein Flug leichter, spielerischer, atmet er wieder tief und gleichmäßig und ich bin erschöpft und erleichtert.

Kansuuk kreist einmal über mir am Himmel. Ich höre seinen Ruf und schüttle lächelnd den Kopf. Er antwortet mit einem weiteren Schrei, dann schwenkt er südöstlich in Richtung der Berge. Ich muss mit der Hand die Augen beschatten, um ihn weiterhin sehen zu können. Wet in der Ferne, über den Vorausläufern des Gebirges sind zwei andere Drachen.

Im taufeuchten Gras liegend schaue ich einem Käfer auf seinem Weg durch das Dickicht aus Grashalmen zu. Er klettert auf und ab und trotzdem er keinen Überblick aus seiner Perspektive heraus hat, behält er seinen westlichen Kurs bei. Ich finde, wir Menschen sind ein bisschen wie Käfer. Wir sind zu dicht mit der Nase an unseren Lebenswegen dran, so dass wir nicht sehen können, dass man nicht an jedem Grashalm erst raufklettern muss, nur um auf der Blattrückseite wieder runterzukrabbeln und den ursprünglichen Kurs wieder aufzunehmen. Wenn man von weiter weg draufschauen könnte, wüsste man, welche Grashalme es zu erklimmen lohnt, weil die Aussicht von oben lohnt... allerdings fehlte unserem Leben dann auch einiges an Überraschungen und an Fitness. Ich muss lachen und drehe mich auf den Rücken. Blauer Himmel.

Viel später drehe ich mich und sehe, wie Kansuuk zwischen den anderen Drachen fliegt. Sie umkreisen sich in einer spontanen Choreografie. Ich lächle und bin ganz ruhig.
Ein Wind kommt auf. Ein großer Wind. Warm, aber schwer. Er hat nichts Pfeiffendes, Lautes an sich, er ist eher wie ein Sog Richtung Gebirge. Ich halte ihm mein Gesicht entgegen und fühle mich berauscht von seiner Kraft und frei, wie leergefegt. Hebe meine Arme, um ihn ganz zu spüren, dann ist plötzlich Stille. Ich öffne verwundert die Augen, vor mir liegt das Land still, hinter mir höre ich noch die Bewegung des Windes und drehe mich um. Aber er ist schon weit weg und mit ihm weicht die Farbe aus meiner Umgebung. Sie sieht aus, wie durch einen Schleier. Ich strecke die Hand aus und berühre eine Leinwand, auf der die Szene der drei Drachen im Gebirge, vom Staub eines Sturmwindes verdeckt wird.
Ich ziehe die Hand zurück und bin einen Moment lang leer. Dass mir die Berge und der Wind so weggenommen erscheinen bedrückt mich. Ein Leben ohne sie geht für mich nicht!

Ich schaue mich um. Ein Kinosaal. Alt. Muffig. Dunkel. Jetzt weiß ich, wo ich den Wolf gesehen habe. Die Leinwand hängt über einer Art kleiner Bühne aus Holz. Er liegt sozusagen vor dem Fußraum der ersten Zuschauerreihe. Ich klettere von der Bühne hinunter und schaue, wo der Ausgang ist. Da hinten ist ein Lichtspalt.

Der Wolf steht auf. Er streckt sich. Mit den Vorderpfoten dehnt er sich weit nach vorn, den Rücken durchgebogen, gähnt, als er sich wieder aufrichtet und trottet dann auf mich zu. Ich stehe einfach nur da, als er sich neben mich stellt, seinen Körper leicht an mein rechtes Bein gelehnt. Er ist warm an meinem Oberschenkel. Ich lasse meine rechte Hand in das Fell hinter seinem Nacken sinken, aber ich kraule ihn nicht, meine Hand ruht einfach nur im Fell seiner Schulter. Es fühlt sich vertraut an. Eher, als würde ich warm von einer Hand berührt und nicht, als berührte ich jemanden. Ich weiß, er wird mich begleiten. Ich weiß nicht, wohin ich gehen werde. Erstmal raus hier. Ich brauche Licht und Luft.

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