lichtarbeit

oder "mit allen sinnen"
30.10.2005
01.10.2005
10.01.2004

01.10.2005
tag am meer...

kaum hab ich in der pension meine sachen verräumt, gibt es kein halten mehr. ich schlüpfe in die laufsachen und flitze los richtung meer. es soll nicht weit sein, hat der mann gesagt. vielleicht 800 meter. ich spiele mit dem gedanken, los zu rennen, bremse mich dann aber zumindest auf "schnelles gehen" trotzdem komme ich schon herzrasend an den fuß der düne. salzige luft schlägt mir entgegen und der frische wind kühlt mein gesicht, bevor ich das meer sehen kann. ich komme höher auf die düne und dann kann ich es hören, das meer.

es rauscht und schlägt laut gegen das ufer, brausend, wild, obwohl jeder seemann mir versichern würde, dass dies harmloser seegang sei. für mich aber geht es durch mark und bein. der wind zaust meine locken und ich sp&uum;re das meer in mir. mein inneres braust hin und her und schlägt so wild gegen meine grenzen, dass ich noch mehr herzrasen bekomme. ich bin wie gehetzt, möchte laut schreien "hallo meer!" ich möchte es übertönen, damit es mich hören muss. damit es weiß, dass ich da bin. damit es weiß, wie intensiv ich es in mir spüren kann.

inzwischen bin ich über das steinige ufer bis an den wassersaum geklettert dann ist es da direkt vor meinen füßen und ich möchte es umarmen, mich hineinwerfen und alles rausschreien, was in mir tobt, aber kein wort, kein ton kommt über mein lippen. durch das getose der schäumenden wellen hindurch und an meinem gehetzten atmen vorbei höre ich meinen herzschlag und viel lauter den des meeres. seinen ganz eigenen herzschlag. so tief und so alt.

wie man sich zu einer fremden katze hinunterbeugt, halte ich dem meer meine hand hin, damit es mich entdecken und begrüßen kann. die dritte oder vierte welle leckt meine finger und ich flüstere atemlos "hallo meer" aber das reicht überhaupt nicht. das ist doch gar nichts. gegen das tosen und brausen um mich herum und gegen den wind, der mir feine sprühregen meerwasser ins gesicht stiebt, kann das gar nicht reichen. es wird mich nicht bemerken. ich sprudele gleich über vor energie, wenn ich nicht endlich schreien kann. aber kein ton kommt heraus, immer mehr staut sich in mir an...

weil ich nicht schreien kann, renne ich los. ich springe von stein zu stein. rutsche ab, springe weiter, muss mich mit den händen abfangen und weiter weiter weiter. ich renne, fliege fast von stein zu stein, schnaufe herzklopfend um irgendwie die energieen rauszulassen. ich bleibe stehen, drehe mich um, sehe, wie viel zu weit ich schon gelaufen bin, dabei gab es gar kein ziel. trotzdem drehe ich um.

meine energie ist nicht weniger geworden. eher ist es, als hätte mich das laufen wie ein uhrwerk weiter aufgezogen. wieder laufen, springen, meinem rasenden herzen folgen. wieder stolpere ich, fange mich rechtzeitig ab, springe weiter, von spitzen auf glatte steine, von breiten zu schmalen, von nassen auf trockene, von kleinen auf große. fast bin ich am ausgangspunkt zurück, da kann ich einen sturz nicht verhindern, falle auf ein knie und schreie vor schreck kurz auf. das war der schlüssel. noch im wieder aufrichten kann ich rufen "hallo meer!" nicht ganz so laut, wie ich es wollte, aber es ist raus. mein herz rast, mein atem geht hastig, ich bin verschwitzt und erleichtert. der wind stürmt in meinen locken, aber der orkan in meinem inneren legt sich. endlich ist es raus.

immer wenn ich ans meer komme spielt alles in mir verrückt. ich bin so aufgewühlt, wie die wellen, so überschäumend wie die gischt und so aufbrausend, wie der wind. ich binvoller spannung und der wind treibt mir die röte in die wangen. mein herz klopft, ich kann nicht stillhalten und ich muss muss muss es anfassen. sofort. das ging mir so in timmendorf und auf rügen und egal wann ich sonst ans meer kam... aber ich glaube inzwischen, es liegt nicht allein am meer. es liegt viel mehr am wind, der hier so deutlich und ungehindert mit mir sprechen kann.

nach oben!